Freitag, 21. Februar 2014

Kraftwerk

Bei Kraftwerken wird heute oft gleich an Atomkraftwerke gedacht mit ihren Schwierigkeiten;
aber auch Kohlekraftwerke können die Umwelt hinsichtlich des Klimawandels belasten.
Nach Germanwatch ""Die Welt am Scheideweg: Wie retten wir das Klima?"
kann ein Kohlekraftwerk maximal 90% seines CO2-Ausstoßes in die Atmosphäre herausfiltern.
Es bleiben immer noch 10% übrig!

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/g7-gipfel-kein-geld-mehr-fuer-die-kohle-13631067.html

Freitag, 9. August 2013

Umwelterziehung

Z. B. (schweizer WWF-Studie zur Umwelterziehung):

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen


für das Design von

Umweltausbildungen

Literaturrecherche im Auftrag des WWF

Schweiz

Chur, den 17.02.2012

Ausführung: Dr. Felix Keller; Andreas Imhof, Abteilung Forschung

und Entwicklung der PHGR

Dr. Christina Colberg, Pädagogische Hochschule

Thurgau

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Inhalt Seite

Abbildungen ............................................................................................................... 2

1 Ausgangslage ................................................................................................... 2

1.1 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) ........................................................................ 2

2 Auftrag und Ziel der Studie ............................................................................. 3

3 Vorgehen........................................................................................................... 3

4 Workshop zur Identifikation der Wissensdefizite .......................................... 4

4.1 Ablauf des Workshops vom 6. September 2011 ................................................................ 4

4.2 Ergebnisse des Workshops ................................................................................................ 6

4.3 Weiter zu verfolgende Fragestellungen .............................................................................. 7

5 Integriertes Handlungsmodell ......................................................................... 8

5.1 Startpunkt der Motivierung .................................................................................................. 8

5.2 Die Phasen des integrierten Handlungsmodell ................................................................... 9

5.2.1 Die Motivationsphase .......................................................................................................... 10

5.2.2 Die Intentionsphase (Handlungsauswahlphase) .................................................................. 11

5.2.3 Die Volitionsphase ............................................................................................................... 12

5.2.4 Vergleichbare Modelle des Umweltverhaltens ..................................................................... 13

6 Literaturrecherche zu den ausgewählten Fragestellungen ........................ 14

6.1 Handlungswirksamkeit der Kommunikation auf Distanz über Internet und Printmedien .. 15

6.1.1 Schriftliche Kommunikation auf die Distanz ......................................................................... 15

6.1.2 Werbekampagnen ............................................................................................................... 16

6.1.3 Computer und Internet ......................................................................................................... 17

6.1.4 Zusammenfassung .............................................................................................................. 18

6.2 Wirksamkeit der Vermittlung verschiedener Wissensarten .............................................. 18

6.2.1 Allgemeine Erkenntnisse über den Zusammenhang von Umweltwissen und

Umweltverhalten ............................................................................................................................. 19

6.2.2 Differenzierung des Wissensbegriffs ................................................................................... 20

6.2.3 Zusammenfassung .............................................................................................................. 22

6.3 Erfolgsfaktoren handlungsauslösender Bildungsprojekte - Analyse einzelner erfolgreicher

Bildungsprojekte der Kinder- und Erwachsenenbildung. ............................................................ 23

6.3.1 Programmschwerpunkte und einzelne erfolgreiche Bildungsprojekte .................................. 24

6.3.2 Beeinflussungsstrategien ..................................................................................................... 28

6.4 Einfluss der Schule beziehungsweise der Familie auf das Umweltverhalten ................... 32

7 Schlussfolgerungen und Empfehlungen ..................................................... 35

8 Literaturverzeichnis ....................................................................................... 38

9 Anhang ............................................................................................................ 42

9.1 Checkliste Handlungsempfehlungen gemäss integriertem Handlungsmodell ................. 42

9.2 Checkliste Weitere Handlungsempfehlungen ausserhalb dem integriertem

Handlungsmodell ......................................................................................................................... 45

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 2

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Abbildungen und Tabellen

Abbildung 1 Systembild der Umweltbildungsaktivitäten des WWF (Gruppe 1) ............ 5

Abbildung 2 Systembild der Umweltbildungsaktivitäten des WWF (Gruppe 2) ............ 5

Abbildung 3: Die Phasen des integrierten Handlungsmodells. Die Abbildung

stammt aus dem Buch „Handeln für die Umwelt“ (Rost, Gresele, & Martens,

2001). .................................................................................................................. 9

Tabelle 1 Zusammenstellung der Fragen aus dem Workshop vom 6. September

2011 .............................................................................................................. 7

1 Ausgangslage

1.1 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)

Umwelterzieherische Massnahmen basierten in den frühen Jahren der Umweltbildung

auf der Annahme, dass ein über die Umweltprobleme aufgeklärtes

Individuum in der Folge auch umweltverantwortliches Verhalten zeigen

würde (Informations-Defizit Modelle, Kapitel 6.2). Empirisch zeigte sich allerdings

oft, dass das Umweltbewusstsein infolge von wissenszentriertem Unterricht

(kurzfristig) steigt, das Verhalten der Schüler sich allerdings nicht in

grossem Ausmass ändert (Kapitel 7.2).

Das Aufkommen des Begriffs „Nachhaltige Entwicklung“ blieb deshalb nicht

ohne Wirkung auf die Pädagogik. Ein Umdenken wurde in der Umweltbildung

gefordert, hin zu einer unter der Abkürzung BNE gängigen Bildung für

eine nachhaltige Entwicklung (de Haan, 2002; Nagel & Affolter, 2004). Dieser

Paradigmenwechsel findet derzeit weltweit statt (Robottom & Kyburz-

Graber, 2000). Die UNO hat zudem die Jahre 2005-2014 zur Weltdekade

der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erklärt, um eine sozial, wirtschaftlich

und ökologisch nachhaltige Entwicklung zu fördern. Demgegenüber

wird in der Praxis oft noch dieselbe Rhetorik in der Umweltbildung und

in der BNE verwendet (Kyburz-Graber, Halder, Hügli, Ritter, & Schlüter,

2001). Laut Gräsel weisen BNE und die klassische Umweltbildung vor allem

drei Unterschiede auf:

- Umweltbildung ist eine Reaktion auf Bedrohungsszenarien, BNE hingegen

nimmt eine prospektive Sichtweise ein, indem ein Gestaltungsauftrag

für die Zukunft formuliert wird.

- In der Umweltbildung stehen ökologische Fragestellungen im Zentrum,

BNE bringt Ökologie, Ökonomie und Soziales zusammen.

- Im Rahmen von BNE wird Gestaltungskompetenz als Fähigkeit zur

Partizipation und Mitwirkung bei der Gestaltung der Zukunft bezeichnet.

Diese Zielstellung erweitert die klassische Umweltbildung.

Nach Rost (2002) liegt der Unterschied zur klassischen Umweltbildung im

Konzept des globalen Lernens: „Es geht nicht um Stagnation oder Wachstum,

es geht nicht um Beibehalten oder Verändern, sondern es geht darum,

dass sich das Gesamtsystem unseres globalen Zusammenlebens ständig

weiterentwickelt und dass wir Kriterien brauchen, anhand derer wir die Entwicklung

bewerten und beeinflussen können“ (Rost, 2002, S.5). Der BNE

Ansatz will die dazu notwendigen Kompetenzen fördern, im Zentrum steht

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 3

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

die erwähnte Gestaltungskompetenz (de Haan, 2002). De Haan definiert

Gestaltungskompetenz wie folgt: „Sie bezeichnet das Vermögen, die Zukunft

von Sozietäten, in denen man lebt, in aktiver Teilhabe im Sinne nachhaltiger

Entwicklung modifizieren und modellieren zu können“. Folgerichtig bezeichnet

er als Zielsetzung von BNE, „die Möglichkeit zu offerieren, Gestaltungskompetenz

zu erwerben“ (de Haan, 2002, S.5). Die Gestaltungskompetenz

selbst setzt sich aus verschiedenen Teilkompetenzen zusammen, wie beispielsweise

der Kompetenz vorausschauend zu denken oder der Kompetenz

Werte kritisch zu hinterfragen1. Um diese Kompetenzen zu fördern,

reicht es nicht aus, auf die ökologischen Aspekte zu fokussieren. Der BNE

Ansatz erfordert es, zusätzlich soziale und ökonomische Facetten des behandelten

Themas in den Unterricht zu integrieren.

Die Förderung der Gestaltungskompetenz befähigt Kinder und Jugendliche,

eigenständige Entscheidungen hinsichtlich ihres Umweltverhaltens zu treffen

und bietet somit die Chance, dass solche Verhaltensweisen auch vermehrt

umgesetzt werden (Kapitel 6.2).

2 Auftrag und Ziel der Studie

Der WWF Schweiz engagiert sich seit seiner Gründung in der Umweltbildung,

in der Überzeugung, dass diese einen wichtigen Beitrag zur Veränderung

des Umweltverhaltens der Bevölkerung leistet. Der WWF hat daher ein

grosses Interesse daran, verlässlich beurteilen zu können, ob die durchgeführten

Umweltbildungsmassnahmen auch tatsächlich den angestrebten Effekt

zeigen.

Seit 2007 forscht die Pädagogische Hochschule Graubünden zusammen mit

der Pädagogischen Hochschule Thurgau (Frau Dr. Ch. Colberg) und der

ETH Zürich (Departement Umweltwissenschaften und Professur E. Stern) im

Bereich Wirksamkeit von Outdoorlernen. Dabei spielt die Theorie des Integrierten

Handlungsmodelles eine entscheidende Rolle (vgl. Kap 5). Im vorliegenden

Projekt ist insbesondere das vom Schweizerischen Nationalfond

geförderte Projekt „Wirksamkeitsvergleich von Umweltunterricht innerhalb

und ausserhalb des Schulzimmers am Beispiel des Themenkomplexes Klimawandel“

von Bedeutung.

Der WWF Schweiz möchte über die Nutzung von aktuellen spezifischen

Forschungsergebnissen seine insgesamt sehr erfolgreichen Umweltbildungsaktivitäten

weiter verbessern. Aus diesem Grunde erhielt die Pädagogische

Hochschule Graubünden den Auftrag, mittels einer gezielten Literaturrecherche

anwendungsorientiere Forschungsergebnisse aufzuarbeiten

und im vorliegenden Bericht zu dokumentieren.

3 Vorgehen

Das folgende Vorgehen wurde bei der Ausarbeitung dieser Studie gewählt:

1 Eine Übersicht der Teilkompetenzen findet sich bei der Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB) unter dem Link:

http://www.umweltbildung.ch/grundlagen/umweltbildung-im-unterricht/

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 4

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

1. Am 6. September 2011 wurden an einem eintägigen Workshop bei

WWF-Schweiz in Zürich mit verschiedenen Vertretern vom WWF

und nahestehenden Organisationen die Wissensdefizite identifiziert

und daraus strukturierte Fragestellungen entwickelt.

2. Auf der Grundlage des oben beschriebenen Problemidentifikationsworkshop

entstand das Grobkonzept zur Realisierung der vorliegenden

Literaturübersicht, welches mit den Wünschen des Auftraggebers

abgestimmt wurde.

3. Der Hauptteil der Arbeit bestand natürlich in der detaillierten Literatursuche,

dem Studium der relevanten Arbeiten, sowie der Verfassung

einer leserfreundlichen Darstellung der darin gefundenen Erkenntnisse.

Nach einer zusammenfassenden Darstellung des integrierten

Handlungsmodells in Kapitel 5 werden in Kapitel 6 die Recherchen

zu den Fragestellungen des Aufraggebers präsentiert.

4. Anlässlich der Präsentation der Ergebnisse der Literaturrecherche

am 13. Februar 2012 beim WWF-Schweiz in Zürich wurden gemeinsam

mit den Anwesenden die praktischen Handlungsempfehlungen

erarbeitet und formuliert.

4 Workshop zur Identifikation der Wissensdefizite

4.1 Ablauf des Workshops vom 6. September 2011

Während dem Workshop wurden die folgenden Phasen durchlaufen, nämlich

die Analyse des Ist-Zustandes, die Herleitung des Optimalzustandes

sowie die Identifikation der Wissensbedürfnisse. In zwei Gruppen erfolgte

die Analyse des Ist-Zustandes, welcher als Diskussionsergebnis in Form eines

Systembildes visualisiert wurde (vgl. Abbildung 1 und 2). In beiden Systembildern

sind sowohl die Vielfältigkeit der Bildungsaktivitäten, die intensive

Vernetzung sowie die verschiedenen angesprochenen Zielgruppen ersichtlich.

Damit wurde eine Übersicht über die Umweltbildungsaktivitäten des

WWF (=Systemwissen) geschaffen. Bei der Herleitung des Optimalzustandes

wurden bewusst die WWF Umweltbildungsaktivitäten aus verschiedenen

Perspektiven betrachtet. Damit entstanden die Voraussetzungen um systematisch

die aus dem Unterschied zwischen Ist- und Soll-Zustand sich ergebenden

Wissensbedürfnisse zu eruieren oder als Frage formuliert: Was

müssen wir wissen und können, damit wir vom jetzigen Ist-Zustand zum gewünschten

Soll-Zustand gelangen? Dabei gehen wir davon aus, dass Veränderungen

nur dann möglich sind, wenn Wissen, Können und Motivation

sich gegenseitig ergänzen.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 5

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Abbildung 1 Systembild der Umweltbildungsaktivitäten des WWF (Gruppe 1)

Abbildung 2 Systembild der Umweltbildungsaktivitäten des WWF (Gruppe 2)

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 6

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

4.2 Ergebnisse des Workshops

Unter den Teilnehmern des Workshops herrschte Einigkeit, dass das Hauptinteresse

sich auf die Frage „Wie kann Umwelthandeln gefördert werden?“

richtet. Die Literaturrecherche konzentriert sich deshalb auf experimentelle

Studien, welche die Variable „Umwelthandlung“ untersuchen. Umwelthandlungen

werden oft auch indirekt durch Handlungsintentionen oder Umwelteinstellungen

gemessen. Deshalb werden auch solche Studien nach Möglichkeit

einbezogen.

Der WWF führt Sommerlager und Schulbesuche durch. Empirische Arbeiten

zu diesen Formen des Umweltunterrichts werden deshalb bevorzugt ausgewählt.

Andere Unterrichtsformen und didaktische Ansätze werden deshalb

nicht systematisch berücksichtigt.

Während den vier Phasen des Workshops entstanden verschiedene Fragestellungen,

welchen im Rahmen der Literaturstudie nachgegangen werden

soll. Diese wurden in der untenstehenden Tabelle erfasst. Nicht zu allen diesen

interessanten Fragen und Aspekten sind empirische Belege vorhanden.

Aufgrund der Vielfalt der Fragen erfolgte anschliessend eine Priorisierung in

der dritten Spalte der Tabelle gemäss folgendem Schlüssel: 1 = priorisierte

Suche nach empirischen Belegen, 2 = Nebenaspekt der Literaturstudie 3 =

keine gezielte Literatursuche 4 = wird nicht explizit bearbeitet.

Tabelle 2 Zusammenstellung der Fragen aus dem Workshop vom 6. September 2011

Übergeordnete Fragestellung

Fragen aus dem Workshop (Ergebnisse) Priorität

Welches Wissen braucht

es? Welche Vorgehensweisen

sind effektiv?

Was ist dran am „Nature deficite syndrom“? 4

Fear appeal vs. „Schönheiten aufzeigen“

(Zielgruppenspezifisch)

3

„bad news are good news“ Themenaufarbeitung

für Jugendliche, wirksam?

4

Wirksamkeit Handlungsanweisendes

Wissen?

1

Systemisches Wissen, wenige Inhalte aber

transferierbares Wissen?

3

Selbswirksamkeitseinschätzung: umgehen

der „Tropfen auf den heissen Stein Problematik.

3

Braucht es Umwelt- und Naturwissen? 1

Wann soll welches Thema vermittelt werden? 3

Wie viel Bewusstsein für die Zusammenhänge

braucht es?

4

Werte? (?) 4

Vereinfachungsgrad? Wie viel weglassen?

Vertiefungsgrad?

2

Professionelle Ansprache (?) versus Mittel 4

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Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Übergeordnete Fragestellung

Fragen aus dem Workshop (Ergebnisse) Priorität

sparen.

Motivationale Aspekte Wie kann man Motivation aufrechterhalten

oder auf ein neues Level heben?

2

Welche Gefässe können die Anfangsmotivation

aufnehmen

3

Was ist nicht erfüllt, wenn trotz hoher Motivation,

Fertigkeiten und Wissen kein Handeln

entsteht.

4

Wie setzen sich Umweltintentionen gegenüber

anderen Intentionen durch?

3

Was sind „Stopp Faktoren für die Motivation

und wie hebelt man sie aus?

3

Was sind die Erfolgsfaktoren von handlungsauslösenden

Bildungsprojekten?

1

Wie kann man Motivation auch ohne Face to

Face Kontakt herstellen? (E-Learning)

4

Wie motiviert man Unmotivierte? 2

Wer kann am besten Motivieren (Lehrer,

Freunde usw.)?

4

Wie nachhaltig ist die Motivation? Wie kann

Motivation langfristig erhalten werden.

3

Wie kommt man von extrinsischer zu intrinsischer

Motivation?

3

Wie und wann entsteht Motivation? 3

Positive oder negative Inputs besser für die

Motivation?

4

Einfluss der sozialen Gruppe auf die Motivation.

4

Wie viel Wissensvermittlung erträgt es, um

die Motivierung trotzdem zu erreichen.

2

In wie weit geht Motivation über das Portemonnaie?

4

Wie gross muss der Erfolg sein, dass man

motiviert bleibt? (?)

4

4.3 Weiter zu verfolgende Fragestellungen

Aus der Vielfalt der Fragestellungen wurden in Absprache mit Frau Katia

Weibel (WWF) die folgenden Schwerpunkte für das Literaturstudium ausgewählt:

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Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

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a. Wie handlungswirksam ist die Kommunikation auf Distanz mit Fokus

auf schriftliche Kommunikation, Werbekampagnen sowie digitale

Medien

b. Wie wirksam ist die Vermittlung verschiedener Wissensarten hinsichtlich

der Entwicklung von Umwelthandeln?

c. Allgemeine Erkenntnisse über den Zusammenhang von Umweltwissen

und Umweltverhalten

d. Was sind die Erfolgsfaktoren handlungsauslösender Bildungsprojekte

auf der Grundlage der Analyse einzelner erfolgreicher Bildungsprojekte

der Kinder- und Erwachsenenbildung

e. Wie gross ist der Einfluss der Schule beziehungsweise der Familie

auf das Umweltverhalten?

5 Integriertes Handlungsmodell

Das Umwelthandeln kann nicht vom allgemeinen menschlichen Handeln getrennt

betrachtet werden. Es ist notwendig, Handlungstheorien den spezifischen

Gegebenheiten im Umweltbereich anzupassen.

Die Motivationspsychologie beschäftigt sich mit den Triebkräften des zielgerichteten

menschlichen Handelns. Thomas Martens entwickelte nun auf der

Grundlage solcher Motivationstheorien eine Theorie für das Umweltverhalten,

nämlich das Integrierte Handlungsmodell (Martens, 1999). Im vorliegenden

Kapitel wird das Modell im Detail vorgestellt.

Das IHM ist eine wissenschaftlich fundierte Theorie des Umwelthandelns. Es

enthält diverse Anknüpfpunkte zur Gestaltung von Umweltunterricht. Die in

Kapitel 6 behandelten Fragestellungen bauen teilweise stark auf Konzepten

des IHM auf. Es werden in der Literatur oft gebrauchte Begriffe eingeführt

und erläutert.

5.1 Startpunkt der Motivierung

Jede Motivationstheorie legt einen Startpunkt für das Handeln fest. Das Integrierte

Handlungsmodell (IHM) bezieht sich dabei stark auf Modelle des

gesundheitlichen Handelns (z.B. die Schutzmotivationstheorie, (Rogers,

1975)). In diesen Modellen ist der Ausgangspunkt einer Handlung die Wahrnehmung

einer Bedrohung für die eigene Gesundheit (zum Beispiel durch

eine externe Information oder durch eine eigene Erfahrung). Liest man beispielsweise

in einer Zeitschrift über die schädlichen Folgen eines Nahrungsmittels,

wird dieses in der Folge gemieden, um Schaden vorzubeugen.

Der Beginn der Motivierung ist folglich die Wahrnehmung, dass etwas nicht

so ist, wie es sein sollte. Ein erwünschter „Soll“-Zustand und der aktuelle

„Ist“-Zustand sind nicht identisch. Diese Differenz wird als unangenehm

empfunden2. Im besten Fall entsteht dadurch ein Wunsch, dieses unangenehme

Gefühl durch eigenes Handeln zu mindern, womit von einem Handlungsmotiv

gesprochen werden kann.

2 In der Psychologie hat sich dafür der Begriff Dissonanz etabliert.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 9

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Der Startpunkt für Handlungen im Umweltbereich ist die Wahrnehmung einer

Umweltbedrohung. Entscheidend ist allerdings nicht der objektive Ist-

Zustand der Umwelt, sondern die individuelle Bewertung des Umweltzustands.

Handlungen entstehen folglich aufgrund des Wunsches, einen Umweltzustand

näher an seine Idealvorstellung zu bringen, resp. den bestehenden

als ideal empfundenen Zustand nicht zu zerstören.

5.2 Die Phasen des integrierten Handlungsmodell

Das IHM unterscheidet drei Phasen, welche zeitlich aufeinanderfolgen:

1.) Die Motivationsphase

2.) Die Handlungsauswahlphase

3.) Die Volitionsphase (auch Handlungsumsetzungsphase; lat. volo: ich will)

Abbildung 3: Die Phasen des integrierten Handlungsmodells. Die Abbildung stammt aus dem

Buch „Handeln für die Umwelt“ (Rost, Gresele, & Martens, 2001).

Diese Phasen bauen aufeinander auf, wenn kein Motiv ausgebildet wird,

kann die Handlungsauswahlphase (Intention) nicht erreicht werden. Kann

keine passende Handlung gefunden werden, kommt es zu keiner Handlungsumsetzung

(Volition). Die Verengung in Richtung der Spitze in Abbildung

3 hat eine inhaltliche Bedeutung. In jeder Phase finden sich diverse

Stoppgründe, welche eine Handlung verhindern oder unwahrscheinlicher

machen können. Die drei Phasen basieren auf bekannten Motivationsmodellen,

wie zum Beispiel dem Rubikonmodell (Heckhausen, 1989). Das IHM ist

ein Modell für bewusste, zielgerichtete Handlungen zum Schutz der Umwelt.

Für die Motivierung ist nicht entscheidend, ob die Handlung objektiv zum

Schutz der Umwelt beiträgt, sondern ob die handelnde Person annimmt,

dass dem so ist (Zweckhandeln).

In der Motivationsphase wird die erwähnte Abweichung von Soll- und Ist-

Zustand festgestellt, der subjektive Schweregrad der Bedrohung wird beLiteraturübersicht

mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 10

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

stimmt (Bedrohungsanalyse). Je nach der Grösse der Differenz entsteht ein

unterschiedlich stark ausgeprägtes Motiv, diese Differenz zu mindern.

In der Handlungsauswahlphase muss das noch ungerichtete Motiv in feste

Bahnen überführt werden. Das heisst, eine passende Handlung gegen die

Bedrohung muss entwickelt oder ausgewählt werden. Das Ziel dieser Phase

ist die Wahl einer konkreten Handlung, welche die Soll-Ist Differenz verkleinert

(Intensionsbildung).

Ist eine Handlung ausgewählt, muss sie umgesetzt werden. Ein Entschluss

etwas zu tun ist noch nicht die Umsetzung dieses Willens (die Realisierung

der geplanten Handlung: Volitionsphase). Die Umsetzung erfolgt, wie uns

die eigene Erfahrung lehrt, bei weitem nicht immer. In diesem Zusammenhang

sind die Motivstärke, eigene Umsetzungsvorsätze bzw. –Strategien

und Aspekte der Handlungssituation zentral. Im Folgenden werden die drei

Phasen genauer beschrieben.

5.2.1 Die Motivationsphase

Wie erwähnt liegt der Ausgangspunkt einer Umwelthandlung in der Wahrnehmung

einer Umweltbedrohung. Daraus entsteht ein Motiv, dieser Bedrohung

durch eigenes Handeln aktiv entgegenzuwirken. Das Motiv ist in dieser

Phase als unspezifische Aktivierung zu verstehen, eine konkrete Handlung

wird noch nicht in Betracht gezogen. Zwei Komponenten definieren die Motivstärke,

erstens der empfundene Schweregrad der Bedrohung und zweitens

die Vulnerabilität (wahrgenommene Wahrscheinlichkeit, dass das bedrohliche

Ereignis eintritt). Damit ein Motiv entsteht, müssen beide Komponenten

ausgeprägt sein. Zur Verdeutlichung dient das Beispiel der Atomkraft.

Die meisten Menschen sehen in der Gewinnung von Energie aus

Atomkraft ein starkes Gefährdungspotential (Schweregrad). Dies löst allerdings

kein Handlungsmotiv aus, wenn ein Schadensfall ausgeschlossen

wird. In diesem Fall empfindet man keine Bedrohung.

Die Bedrohungswahrnehmung bezieht sich dabei nicht ausschliesslich auf

die eigene Person, auch andere Personen3, Tiere, Pflanzen und abstrakte

physische Umwelten (z.B. die Berge, das Klima usw.) können als gefährdet

wahrgenommen werden. Je grösser die empfundene Nähe zu einer Person,

einem Tier oder einem Gegenstand ist, je stärker wird die Bedrohung erlebt.

Zwei Prozesse beeinflussen nun, ob ein Motiv ausgebildet wird: der Coping

Stil (der Umgang mit bedrohlicher Information) und die Verantwortungszuschreibung.

Das Coping beeinflusst die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung.

Nicht jede Person reagiert auf dieselbe Weise auf eine objektiv

identische Information. Der Coping Stil beschreibt die individuelle Tendenz,

bedrohliche Information zu verarbeiten. Zwei mögliche Stile oder Informationsverarbeitungsstrategien

werden als bedeutend angenommen, die Vigilanz

und die kognitive Vermeidung. Unter Vigilanz versteht man die Tendenz

besonders sensibel auf umweltschädliche Informationen zu reagieren.

Die kognitive Vermeidung beschreibt dagegen die Tendenz, bedrohliche Information

zu verleugnen oder zu verharmlosen.

3 Z.B. Familie, Freunde, „die Menschen der dritten Welt“ oder die „kommenden Generationen“

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 11

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

An einem Beispiel kann dies verdeutlicht werden, In den Nachrichten wird

ein Bericht über die Müllkrise in Neapel ausgestrahlt. Dominieren als Reaktion

auf diesen Bericht Gedanken wie „kann dies auch hier passieren?“ oder

„was geschieht eigentlich mit unseren Abfällen?“, ist dies eine vigilante Tendenz

zur Informationsverarbeitung. „In der Schweiz ist so etwas unmöglich“

oder „die übertreiben in den Nachrichten mal wieder“ sind Beispiele von

kognitiv vermeidenden Gedanken.

Für ein Problem muss ein verantwortlicher Akteur identifiziert werden. Verantwortlich

heisst in diesem Zusammenhang nicht, dass jemand für das

Problem ursächlich verantwortlich ist, sondern für die Lösung. Im Umweltbereich

ist es nun zentral, dass man selbst die Verantwortung für die Lösung

eines Umweltproblems übernimmt (interne Verantwortungszuschreibung).

Eine externe Verantwortungszuschreibung kann die Ausprägung eines

Handlungsmotivs verhindern. „Die Industrie soll umweltfreundlichere Verpackungen

produzieren“ oder „die Stadt hat die Aufgabe, unseren Abfall effizient

zu entsorgen“ sind Beispiele für eine externe Verantwortungszuschreibung.

Sind diese Gedankengänge dominant, können sie die Ausführung von

Abfalltrennung und –verwertung verhindern. Damit ein Handlungsmotiv ausgebildet

wird, muss eine interne Verantwortungszuschreibung („jeder hat einen

Beitrag für die korrekte Entsorgung seiner Abfälle zu leisten“) zumindest

teilweise erfolgen.

Eine Motivierung kann auch aufgrund sozialer Motive erfolgen. Sich umweltfreundlich

zu Verhalten, kann zu einem Statusgewinn bei anderen Personen

führen (bzw. Statusverlust wenn man nicht handelt). Das Motiv ist in diesem

Fall nicht einer Umweltbedrohung zu begegnen, sondern Anerkennung von

anderen zu erhalten. Wenn Fremdbewertungen für ein Individuum wichtig

sind und die soziale Bezugsgruppe umweltfreundliches Handeln erwartet,

kann ein sozial begründetes Handlungsmotiv gebildet werden. Das Motiv ist

folglich dasselbe, die Motivquelle allerdings unterschiedlich.

5.2.2 Die Intentionsphase (Handlungsauswahlphase)

Das Ziel dieser Phase ist es, dem Motiv ein Ziel, bzw. eine Richtung vorzugeben.

Das Motiv repräsentiert lediglich den Wunsch, die Soll-Ist Differenz

zu mindern. Wie dies getan werden soll, ist der Gegenstand der Intentionsphase.

Drei Erwartungen beeinflussen die Bildung einer Intention:

1.) Die Handlungs-Ergebnis Erwartung: Existiert (oder kenne ich) eine

Handlung, welche zu dem gewünschten Handlungsergebnis führt (Heckhausen,

1977)?

2.) Die Kompetenzerwartung: Bin ich fähig, diese Handlung auszuführen

(Bandura, 1977)?

3.) Die Instrumentalitätserwartung: Führt das Handlungsergebnis auch zu

den gewünschten Handlungsfolgen (Vroom, 1964)?

Die Intentionsbildung kann als eine Art von Planungsprozess betrachtet

werden. Das Handlungswissen, Erwartungen über die Folgen der eigenen

Handlung und deren Eintretenswahrscheinlichkeit werden bei der Handlungsplanung

abgewogen.

Es wird zwischen Handlungsergebnissen und Handlungsfolgen unterschieden.

Handlungsergebnisse haben gemäss dieser Differenzierung keinen Anreizwert.

Sie können allerdings erwünschte Handlungsfolgen nach sich zieLiteraturübersicht

mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 12

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

hen. Eine wesentliche Handlungsfolge sollte dabei die Reduzierung eines

Umweltproblems sein.

Diese Unterscheidung kann an einem Beispiel erläutert werden. Bei der

Wahl des Transportmittels zur Arbeit zieht Person X das Fahrrad in Betracht.

Die Handlungsfolge ist, dass X jeden Morgen von Zuhause an den Arbeitsort

gelangt. Dies hat noch keinen Anreizwert. Allerdings können mögliche Handlungsfolgen

für X erstrebenswert sein. Zum Beispiel steigt die eigene Fitness,

der Arbeitsweg wird in einer kürzeren Zeit absolviert oder die eigenen

CO2 Emissionen werden reduziert. Die Handlungs-Ergebniserwartung bezieht

sich auf die Erwartung, dass man mit dem Fahrrad an den Arbeitsort

gelangt4. Die Instrumentalitätserwartung bezieht sich auf den subjektiven

Zusammenhang zwischen dem Handlungsergebnis und den Handlungsfolgen.

Zweifelt X beispielsweise daran, dass Fahrradfahren CO2 einspart5, ist

die Instrumentalität der Handlung nicht gegeben.

Die Kompetenzerwartung beruht auf der Selbsteinschätzung der eigenen

körperlichen-, bzw. mentalen Fähigkeiten und anderer Bewältigungsressourcen

(z.B. Zeit, Möglichkeit, Geld). Eine Handlung wird nur dann erwogen,

wenn man sich als genügend kompetent zur Handlungsausführung betrachtet.

Speziell im Umweltbereich sind Handlungsergebnisse oder –folgen allerdings

das Ergebnis komplexer Zusammenhänge. Insbesondere Kindern und

Jugendlichen sind umweltschützende Handlungen oft unbekannt. Die Zusammenhänge

der Handlung mit den Handlungsergebnissen oder Handlungsfolgen

sind für sie in solchen Situationen nicht offensichtlich.

Erfüllt eine Handlung die genannten Erwartungen, wird eine Intention gebildet6.

Eine Intention ist eine bewusste, zielgerichtete Handlungsabsicht der

Umweltbedrohung zu begegnen und somit die Differenz zwischen Soll und

Ist zu vermindern. In der Intentionsphase können auch mehrere Handlungsintentionen

gebildet werden. Zudem werden Präferenzen für unterschiedliche

Arten der Handlung bestimmt, z.B. für direktes oder indirektes Umwelthandeln.

In der Handlungsauswahlphase hat die Intention noch Wunschcharakter.

Das Realisieren der Handlungsintention ist der Gegenstand der Volitionsphase.

5.2.3 Die Volitionsphase

In dieser Phase wird die Handlungsintention in eine tatsächliche Handlung

umgesetzt. Ein Abbruch des Handlungsprozess ist noch jederzeit möglich.

Diverse handlungsbegünstigende Rahmenbedingungen und fördernde Einflüsse

müssen gegeben sein, damit die Intention realisiert wird. Mögliche

Stoppgründe in dieser Phase sind beispielsweise fehlende Realisierungsge-

4 Dies klingt selbstverständlich, muss es aber nicht sein. Hat eine Person zum Beispiel einen

Arbeitsweg von 70 Kilometer, sind die Strassen ständig vereist oder man leidet unter Asthma,

ist die Erwartung, dass man den Arbeitsweg mit dem Fahrrad erfolgreich bewältigen

kann wohl nicht gegeben.

5 Z.B. hat X bereits ein Hybrid-Auto und schätzt deshalb die Möglichkeiten der Emissionsreduktion

als gering ein.

6 Zum Beispiel die Absicht, den Arbeitsweg jeden Tag mit dem Fahrrad zu bewältigen.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 13

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

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legenheiten (z.B. keine Grünabfuhr im Quartier), fehlende Zeit oder fehlendes

Geld.

Die Realisierung wird durch „handlungsbegünstigende“ Kognitionen

(=Informationsverarbeitungsprozesse) erleichtert. Eine solche Kognition

kann beispielsweise eine Strategie sein, innerhalb welcher die Randbedingungen

der Handlung möglichst konkret festgelegt werden. Wie, wo und

wann gehandelt werden soll, wird durch die Strategie festgelegt

Martens betont, dass im Umweltbereich Prozessen der „Motivationskontrolle“

eine entscheidende Bedeutung zukommt. Damit sind metakognitive Prozesse7

gemeint, welche die Intention über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten.

In der Realität kann die Intention meist nicht direkt umgesetzt

werden. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Ich beschliesse, dass ich einen

Brief einwerfen will (Intention). Meistens stehe ich bei diesem Entschluss

nicht neben einem Briefkasten. Um die Wahrscheinlichkeit zu steigern, dass

ich nicht vergesse den Brief einzuwerfen, kann ich verschiedene Kontrollmassnahmen

durchdenken. Ich könnte beispielsweise eine Notiz anfertigen,

den Brief an einer gut zugänglichen Stelle in meiner Tasche platzieren oder

einen anderen Arbeitsweg wählen, welcher an einem Briefkasten vorbeiführt.

Für das Umwelthandeln sind die folgenden Motivationskontrollprozesse

von besonderer Bedeutung:

- Die Antizipation positiver Handlungskonsequenzen. Z.B. „wenn ich den Brief

eingeworfen habe, habe ich endliche eine grosse Sorge weniger“.

- Das Erinnern an die Handlungsabsicht. „ich möchte den Kontakt zu XY nicht

abbrechen lassen“.

- Commitment. „ich habe meinem Chef versprochen, dass der Brief bis am

Abend auf der Post ist“.

Umweltschützende Intentionen stehen bei der Realisierung in Konkurrenz zu

Intentionen aus anderen Bereichen des menschlichen Lebens. Die Realisierung

der einzelnen Intention hängt dabei von deren Stärke (oder der Motivstärke)

und dem Ausmass der beschriebenen handlungsbegünstigenden

Einflüsse ab.

5.2.4 Vergleichbare Modelle des Umweltverhaltens

In der Sozial- und Umweltpsychologie werden ähnliche Handlungsmodelle

vorgeschlagen. Die grössten Unterschiede betreffen den Startpunkt des

Umweltverhaltens und die einzelnen Konstrukte. Die Konstrukte sind oft inhaltlich

identisch, die Zusammenhänge untereinander und die Namen variieren

je nach theoretischem Hintergrund. Die meisten Umwelthandlungsmodelle

basieren dabei auf zwei Handlungstheorien. Diese sind die Theorie des

geplanten Verhaltens (Ajzen, 1991) und die Norm-Aktivationstheorie

(Schwartz & Howard, 1981). Die Theorie des geplanten Verhaltens gehört

zu den rationalistischen Modellen, die Norm-Aktivationstheorie erklärt Verhalten

aufgrund einer pro-sozialen Motivation. Wie auch beim IHM, verbindet

Bamberg die beiden Modelle zu einem einzelnen Modell des Umweltverhaltens

und testet dieses empirisch (Bamberg & Möser, 2007).

7 Metakognition bedeutet die Bewusstheit über die eigenen mentalen Prozesse.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 14

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Der grösste Unterschied zum IHM ist die Gliederung. Bamberg unterscheidet

keine Phasen, sondern untersucht Einflüsse. Die Variablen „Problem Awareness8“

(Pendant IHM: Bedrohungsanalyse), „Internal Attribution“ (Verantwortungszuschreibung),

„Social Norm“ (sozial begründete Motive), „Feelings

of Guilt“ (ähnlich Coping-Stil), „Percieved Behavioral Control“ (Kompetenzerwartung);

„Attitude“ (kein direktes Pendant, Einstellung); „Moral Norm“

(kein direktes Pendant); „Intention“ werden theoretisch untereinander in Beziehung

gesetzt.

Das Modell von Bamberg blendet die Volitionsphase aus. Die Handlungsintention

wird direkt mit dem Verhalten in Verbindung gesetzt. Empirisch resultiert

ein für sozialwissenschaftliche Verhältnisse starker Zusammenhang

zwischen der Handlungsintention und dem Verhalten von r=0.52. Die Höhe

der Korrelation ist auch dadurch bedingt, dass die zugrundeliegenden Studien

vor allem einfache Verhaltensweisen wie „Recycling“ oder „nachhaltiges

Einkaufen“ untersuchen (Kapitel 6.2). Die Intention wird indirekt von der

Kompetenzerwartung (Percieved Behavioral Control), der Einstellung (Attitude)

und der sozialen Normen (Moral Norm) beeinflusst (mittlere Zusammenhänge).

Strukturell ist Bambergs Konzeption dem IHM ähnlich. Der Vorteil

des Modells ist, dass die Stärke der Beziehung der Konstrukte durch eine

Korrelation ausgedrückt werden kann. Der grosse Nachteil ist, dass es kaum

Aussagen zu der Beeinflussbarkeit der einzelnen Konstrukte ermöglicht.

Kollmuss hingegen schlägt ein Handlungsmodell vor, welches auf möglich

Handlungsbarrieren, bzw. Stoppgründe des Handelns fokussiert (Kollmuss &

Agyeman, 2002). Diese Gründe können externer (Politik, Infrastruktur, wirtschaftliche

Situation usw.) oder interner Natur sein (alte Verhaltensmuster,

ungenügendes Feedback usw.). Aspekten der Volitionsphase wird so eine

zentrale Stellung eingeräumt. Zudem wird im Modell der Zusammenhang

zwischen der Umwelteinstellung und dem Umweltverhalten ausdifferenziert.

Die Hypothese ist, dass die Umwelteinstellung bei kostenintensiven Verhaltensweisen9

einen schwächeren Einfluss auf das Umweltverhalten hat als

bei „preiswerten“ Verhaltensweisen (low-cost, high cost Hypothese). Im Folgenden

ist dies zu berücksichtigen, da oft solche „preiswerten“ Verhaltensweisen

untersucht werden.

6 Literaturrecherche zu den ausgewählten Fragestellungen

In der wissenschaftlichen Literatur werden im Zusammenhang mit Umweltverhalten

zahlreiche Begriffe mit teilweise beträchtlichen Bedeutungsunterschieden

und Definitionen verwendet. Bis heute ist immer noch gültig, was

Spada bereits 1990 bemängelt hat, das es „keine eindeutige und allgemeinverbindliche

Definition von Umweltbewusstsein existiert“. Neugebauer meint

dazu, „Genauso wenig wie es das Umweltbewusstsein und das Umweltverhalten

gibt, gibt es den Grund, weshalb Menschen sich (nicht) umweltge-

8 Die in der Folge genannten Begriffe werden vor allem im englischen Sprachraum verwendet.

9 Die Kosten beziehen sich auf alle Kostenarten: monetär, Aufwand, nötige Anstrengung

usw.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 15

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

recht verhalten“ (Neugebauer, 2004). Es ist deshalb schwierig, einzelne Forschungsergebnisse

untereinander zu vergleichen.

Das Problem ist im Bereich der Umweltbildung und der Umweltpsychologie

bekannt. In jüngerer Zeit sind deshalb grosse Anstrengungen in der Theoriebildung

unternommen worden (z.B. das IHM), welche als Grundlage für

die Planung und Evaluation von Bildungsprojekten dienen können. Trotz den

grossen Herausforderungen bei der Messung des Erfolgs einzelner Bildungsprojekte,

lassen sich einige Aussagen zur Effizienz von Umweltbildungsaktivitäten

zusammenfassen.

6.1 Handlungswirksamkeit der Kommunikation auf Distanz über Internet

und Printmedien

Aufgrund des vergleichsweise geringeren Aufwands zur Verbreitung von

Botschaften wurde schon früher „auf die Distanz“ kommuniziert. Die Wirksamkeit

unterschiedlicher Kommunikationsarten wurde schon vergleichsweise

früh evaluiert10. So rief beispielsweise 1977 der damalige US Präsident

Carter die Bürger des Landes auf, ihren Thermostat auf 65° Fahrenheit (ca.

18° Celsius) einzustellen. Nachträgliche Befragungen ergaben, dass dieser

Apell auf eine sehr geringe Resonanz stiess (Luyben, 1982)11. Die Studie

deutet auf die geringe Wirkung solcher (präsidialer) Aufrufe hin12. Um die

Wirkung solcher und anderer Kommunikationsstrategien bestimmen zu können,

sind experimentelle Studien nötig (Kontrollgruppe, experimentelles Isolieren

der Effekte).

6.1.1 Schriftliche Kommunikation auf die Distanz

Eine Vielzahl an Studien untersucht die schriftliche Vermittlung von Handlungs-

und Problemwissen, z.B. in Form einer Broschüre oder eines Briefes.

Meist wird Problem- und Handlungswissen für einen spezifischen Handlungsbereich

gleichzeitig vermittelt (z.B. Treibhauseffekt und Energiesparmöglichkeiten).

Eine Reihe an Studien weist nach, dass durch die Informationsabgabe

das Umweltverhalten der Empfänger beeinflusst werden kann,

allerdings sind die Effekte sehr schwach (Homburg & Matthies, 1998; Hutton

& McNeill, 1981). Eine effektivere Sonderform der schriftlichen Kommunikation

sind kurze Verhaltensaufforderungen an der Stelle, an der das Verhalten

erfolgt (bzw. nicht erfolgen soll), so genannte Prompts. Bekannte Beispiele

dafür sind „Nur für Weissglas“ an der Sammelstelle oder „beim Verlassen

des Raumes die Heizung abdrehen“ in einer Schulaula. Ist das erwünschte

Verhalten angemessen und die Aufforderung höflich formuliert, erfolgt

die erwünschte Reaktion eher. Stärkere Effekte finden sich im Allgemeinen

wenn die Informationen oder Verhaltensratschläge persönlich vermittelt

werden. Von Pfadfindern vermittelte Information über das Recycling

brachte 15 – 19% neue Haushalte zum Mülltrennen (Burn & Oskamp, 1986).

Im persönlichen Kontakt werden neben Wissen auch soziale Normen vermit-

10 Allerdings vornehmlich mit Erwachsenen.

11 In der Studie zeigte sich die Problematik von Selbstauskünften zum eigenen Umweltverhalten.

Telephonisch befragte Personen berichteten bedeutend tiefere Thermostat-

Einstellungen als bei Hausbesuchen einer Vergleichsgruppe tatsächlich festgestellt wurden.

12 Zu ähnlichen Schlüssen kommen früher schon Robertson et. al. (1974) in einer Untersuchung

zur Wirksamkeit von Werbespots zum Gurten tragen im Automobil.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 16

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

telt, bzw. soziale Motive angeregt. Dieser Aspekt fehlt normalerweise bei der

Kommunikation auf die Distanz. Heute wird deshalb oft dazu übergegangen,

soziale Normen in der einen oder anderen Form zu aktivieren, da Umwelthandeln

stets auch eine soziale Komponente enthält. Solche „normzentrierte

Techniken“13 sind erfolgreicher um Umwelthandeln auszulösen als die alleinige

Informationsweitergabe auf die Distanz (Kapitel 6.3).

Eine leicht abgewandelte Form der „Kommunikation auf Papier“, nämlich der

Zusendung einer kurze Videosequenz zum Energiesparen, erwies sich allerdings

als erfolgreich (Winett, Leckliter, Chinn, Stahl, & Love, 1985). Für

die Untersuchung wurde ein Video gestaltet, in welchem eine Person energiesparendes

Verhalten vorführt (handlungsanleitendes Wissen). Die Versuchsgruppe,

welche sich das 20 minütige Video anschaute, reduzierte in

der Folge den Energieverbrauch14. Die Autoren zählen ihre Methode zur Kategorie

„Modeling“, also dem Lernen am Modell. Das Modelllernen kann folglich

auch über die Distanz funktionieren. In Kapitel 6.4 wird besprochen, wie

stark der Einfluss von Modellen auf das Umweltverhalten der Kinder ist. Gelingt

es ein Modell zu finden, welches von den Kindern als glaubwürdig, ähnlich

und liebevoll wahrgenommen wird (Higgs & McMillan, 2006), besteht die

Möglichkeit, dass das Verhalten imitiert wird.

6.1.2 Werbekampagnen

Das Potential des Fernsehens als Kommunikationsmedium zur Förderung

des Umweltverhaltens wurde intensiv untersucht. Ein erfolgreiches Beispiel

ist die Evaluation einer Kampagne (Appell) zur Förderung des Energiesparverhalten

in den Vereinigten Staaten (Hutton & McNeill, 1981). Neben der

Medienkampagne wurde allen Haushalten Energiespartipps in Form eines

Büchleins und eine wassersparende Düse zugesandt. Verglichen mit einer

Kontrollgruppe (keine Medienkampagne) berichtete ein deutlich höherer Anteil

der Zielregion (48 vs. 26%), die Düse installiert zu haben. Die mitgelieferten

Energiesparvorschläge wurden in der Zielregion öfter umgesetzt (4.63

vs. 3.96 von jeweils 6 Ratschlägen). Allerdings ist die Validität der Ergebnisse

fraglich, da telefonische Selbstauskünfte als Messgrösse verwendet wurden

(stärkerer Druck zu selbstbeschönigenden Aussagen in der beworbenen

Region). Lässt man die Probleme mit der Validität ausser Acht, ist bemerkenswert,

dass die unverbindlichen Hinweise (Informationen auf Papier)

auch in der Kontrollgruppe ohne begleitende Medienkampagne umgesetzt

wurden. Die schriftliche Kommunikation war in dieser Studie erfolgreich.

Das obige Resultat ist aber eher die Ausnahme. Verhaltensänderungen und

Produktwerbung unterliegen nicht denselben Gesetzmässigkeiten. Eine weitere

Studie aus Australien (Syme, Seligman, Kantola, & Mac Pherson, 1987)

findet schwache Verhaltenseffekte einer Werbekampagne. Die Autoren untersuchten

die Wirksamkeit von Werbespots zur Förderung des Kraftstoffsparens.

Mehrere Variablen wurden in der Folge durch Telefoninterviews

erhoben, zum Beispiel die Umwelteinstellungen, die Intention Kraftstoff

zu sparen und das selbstberichtetes Verhalten der Menschen in der

13 Strategien die durch die Anregung sozialer Normen zur Verhaltensänderung motivieren

sollen.

14 Allerdings war die Verhaltensänderung nicht permanent, nach einem Jahr stiegen die

Werte wieder auf das Ausgangsniveau. Die Verhaltenskonsolidierung (Volitionsphase) hat

folglich nicht funktioniert.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 17

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

beworbenen Region. Bei allen Variablen wurde ein leichter (allerdings signifikanter)

Anstieg durch die Kampagne festgestellt. Die Art der Botschaft (Betonung

der Geldersparnis und Betonung der „Bürgerpflicht“) führte zu keinem

Unterschied. Die marginalen Änderungen des Umweltverhaltens durch

die Werbekampagne lässt die Autoren zum Schluss kommen, dass diese

Kosten-ineffizient sind.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Evaluation einer Informationskampagne

der niederländischen Regierung zum Treibhauseffekt (Staats, Wit, & Midden,

1996). Zwar konnte das Wissen über den Treibhauseffekt leicht verbessert

werden, die anderen Programmziele, die Förderung des Problembewusstseins

und die Erhöhung der Bereitschaft klimafreundlich zu handeln,

wurden nicht erreicht. Verhaltensappelle über die Massenmedien scheinen

also nur bedingt geeignet, umweltbewusstes Verhalten zu beeinflussen

(selbst auf der Stufe des selbstberichteten Verhaltens), zumindest als isolierte

Massnahme.

Allerdings muss betont werden, dass die Untersuchungen in keinem Fall

mögliche Langzeiteffekte untersuchten und den Einfluss der Kampagnen auf

die sozialen Normen der Gesellschaft bestimmen. Die Wirkung solcher

Kampagnen könnte folglich langfristig und/oder indirekt sein. Heute herrscht

allerdings die Meinung vor, dass Informations- oder Werbekampagnen keine

Wirkung auf das Umweltverhalten haben, weder bei Kindern noch bei Erwachsenen

(Kollmuss & Agyeman, 2002; McKenzie-Mohr, 2000).

6.1.3 Computer und Internet

Ähnliche Schlüsse dürften auch für das Internet als Kommunikationsmedium

gelten. Allerdings gilt auch dies nur für die einfachen Formen der Vermittlung

von Problem- und Handlungswissen oder Verhaltensappellen.

Das Internet bietet allerdings die Möglichkeit der Interaktion, d.h. normzentrierte

Techniken (Kapitel 6.3) können besser mit der Informationsvermittlung

gekoppelt werden. Ein Beispiel eines Energiesparprogramms über das

Internet wird in Kapitel 6.3 besprochen (Abrahamse, Steg, Vlek, & Rothengatter,

2007). Das Potential des Computers als persuasives (+/- beeinflussendes)

Werkzeug in der Umweltbildung wird natürlich diskutiert (Tan,

2009). Vor allem zur langfristigen Erhaltung der intrinsischen Motivierung

könnte der Computer nützlich sein. Das Scheitern der Distanzkommunikation

bei der Beeinflussung von Umweltverhalten liegt vor allem im Fehlen von

geeigneten Selbstkontroll- oder Selbstbeobachtungsstrategien oder fehlenden

Verstärkern (siehe Kapitel 6.2). Rückmeldungen über das Netz können

diese Funktion übernehmen. Im selben Artikel wird vor allem das grosse Potential

des Webs 2.0 im Allgemeinen und bei sozialen Netzwerken im Speziellen

betont. Diese dienen als Komplement, bzw. Verstärker anderer Beeinflussungsstrategien

(Kapitel 6.3). Die (soziale) Motivierung über die sozialen

Netzwerke könnte auch bei niedrig handlungsmotivierten Personen Umwelthandeln

auslösen. Die Argumentation ist durchaus mit der Theorie vereinbar,

allerdings fehlen bis jetzt Belege für diese Vermutungen.

Erste Studien mit internetbasierten Elementen sind im schulischen Bereich

durchgeführt worden. Bei einem direkten Vergleich einer webbasierten Unterrichtseinheit

und einer Klassenzimmerinstruktion zur Reduzierung der

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 18

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

„Environmental Literacy“15 verbesserte die Webgruppe ihre Werte kaum. Die

Autoren führen dies unter anderem auf den fehlenden Austausch über das

Netz zurück (die Foren wurden nicht genutzt). Dagegen findet ein internetbasiertes

Simulationsspiel über die Folgen unserer Ernährungsgewohnheiten

bei den Schülern zu einer Verbesserung der Einstellung gegenüber umweltschützenden

Ernährungspraktiken. Die Veränderung ist stärker als bei

klassenbasiertem Unterricht (Hansmann et al., 2002). Die Autoren haben allerdings

keine Verhaltensmasse getestet.

6.1.4 Zusammenfassung

Inwieweit Kinder oder Jugendliche passiv über die Distanz beeinflusst werden

können, ist kaum direkt erforscht. Beschränkt sich die Kommunikation,

in welcher Form auch immer, auf die Vermittlung von Problem- oder Handlungswissen,

ist allerdings nicht zu erwarten das sie sich in ihrem Umweltverhalten

beeinflussen lassen (siehe auch Kapitel 6.2). Es existiert zudem

kein Grund anzunehmen, dass die einzelnen Kommunikationsformen bei

Kindern stärker auf das Handeln wirken als bei Erwachsenen, zumindest

kurzfristig.

Im Gegensatz zur Handlungswirksamkeit der Kommunikation auf die Distanz

existieren Hinweise, woher die Kinder ihr Umweltwissen haben. Dies lässt

Rückschlüsse zu, wie erfolgreich einzelne Institutionen ihre Informationen

verbreiten. Das Fernsehen ist beispielsweise mit Abstand die häufigste

Quelle des Umweltwissens von Kindern. Die Schule rangiert auf Rang zwei.

Weitere Quellen sind die Familie, Printmedien, Freunde, Naturerfahrungen

und Nichtregierungsorganisationen. Zu vermuten ist, dass heutzutage das

Internet ebenfalls eine zentrale Stellung einnimmt. Die NGO’s werden zwar

weniger als Informationsquelle genutzt, die Informationen werden aber als

seriöser und glaubwürdiger empfunden als Informationen aus den Medien

(Rickinson, 2001)16. „Umweltwissen“ kann folglich auf die Distanz vermittelt

werden17.

6.2 Wirksamkeit der Vermittlung verschiedener Wissensarten

Das Umweltwissen (kognitive Komponente) wird in der Literatur zusammen

mit der Umwelteinstellung (affektive Komponente) und umweltbezogenen

Handlungsintentionen (konative Komponente) dem Umweltbewusstsein zugeordnet.

Das Umweltbewusstsein ist dabei das übergeordnete Konstrukt

der drei Komponenten. Die Interaktion zwischen diesen drei Komponenten

und die genaue Zusammensetzung des Umweltbewusstseins ist dabei umstritten.

Je nach Studie werden zwischen dem Umweltbewusstsein und dem

Umweltverhalten schwache bis mittlere Zusammenhänge festgestellt. Die

Rolle des Umweltwissens wird dabei kontrovers diskutiert. Die stärkste Beziehung

des Umweltwissens besteht zu der Umwelteinstellung18. Zwischen

15 Zu diesem Konstrukt gehören unter anderem auch die Instrumentalitätserwartung oder die

Kompetenzerwartung.

16 Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Information verarbeitet wird.

17 Da Wissen und Einstellungen stark zusammenhängen, ist es auch plausibel, dass Umwelteinstellungen

über die Distanz beeinflusst werden können.

18 Die Einstellung wird durch die affektive Bewertung von umweltbezogenen Informationen

gebildet.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 19

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

dem Umweltwissen und der Intentionsbildung/Umwelthandeln besteht ein

schwacher Zusammenhang.

6.2.1 Allgemeine Erkenntnisse über den Zusammenhang von Umweltwissen

und Umweltverhalten

Zwischen dem Umweltwissen und dem Umweltverhalten werden nur geringe

Zusammenhänge gefunden (Kollmuss & Agyeman, 2002; Langenheine &

Lehmann, 1986; Negev, Sagy, Garb, Salzberg, & Tal, 2008; Schahn, 1990).

Das Umweltwissen korreliert in den meisten Studien geringer mit dem Umweltverhalten

als alle anderen Komponenten des Umweltbewusstseins. Im

Allgemeinen nimmt der Zusammenhang zu, wenn die Inhaltsbereiche des

Verhaltens und des Wissens stärker übereinstimmen. So erwies sich in einer

amerikanischen Studie korrektes Wissen über den Treibhauseffekt als

der beste Prädiktor für die Unterstützung einer CO2 Lenkungsabgabe

(O'Connor, Bord, Yarnal, & Wiefek, 2002). Interventionsstudien mit Kindern

zeigen allerdings, das ein höheres Ausmass an Umweltwissen nicht zu umweltbewussterem

Verhalten führt (Kuhlemeier, Van Den Bergh, & Lagerweij,

1999; Negev et al., 2008), zumindest kurzfristig. Während die affektive und

konative Komponente des Umweltbewusstseins durch umweltbildende Massnahmen

durchaus steigen können, ändert sich das Umweltverhalten der

Kinder oft gar nicht (Lehmann, 1999). Zu grosses Wissen um einen Sachverhalt

kann gar in Resignation münden, wenn eine Person die Diskrepanz

zwischen dem was getan wird, und dem was getan werden müsste als bedeutend

wahrnimmt. Die Beziehung zwischen Wissen und Verhalten könnte

dementsprechend nicht-linear oder durch eine Vielzahl von anderen Faktoren

überlagert sein (Neugebauer, 2004)19. Weitgehend Einigkeit herrscht jedoch

darüber, dass die ausschliessliche Vermittlung von Fakten und Problemwissen

keinen Einfluss auf das Umweltverhalten besitzt. Ebenso ist jedoch

davon auszugehen, dass ohne ein gewisses Mindestmass an Wissen

keine Umwelthandlungen zustande kommen können. In Umwelthandlungsmodellen

wird die Wirkung von Umweltwissen im Zusammenhang mit anderen

Handlungskomponenten thematisiert, die Wirkung ist demnach indirekt

(Kapitel 6.2.2).

Ältere „Informations-Defizit Modelle“ (Burgess, Harrison, & Filius, 1998) werden

daher heute als unzutreffend angesehen. Vom aufklärerischen Ideal her

vermuten diese Theorien, dass fehlendes Umweltverhalten aufgrund eines

Informationsdefizits in der Öffentlichkeit zu begründen ist. Gemäss dieser

Logik muss die Öffentlichkeit informiert und überzeugt werden (ein Problembewusstsein

wecken), worauf sich umweltfreundliches Verhalten „von selbst“

einstellt. Kollmuss und Agyeman kritisieren, dass viele Regierungen und Organisationen

ihre Kampagnen immer noch nach dieser simplifizierenden Logik

ausrichten und ihre Mittel somit ineffizient einsetzten (Kollmuss & Agyeman,

2002).

19 Zum Beispiel kann die Benutzung des öffentlichen Verkehrs aufgrund finanzieller Zwänge

zustande kommen, ohne Wissen über die globale Erwärmung. Bestimmt man nun den Zusammenhang

von Umweltwissen und Verhalten dieser Person, findet man irrtümlich einen

negativen Zusammenhang zwischen Umweltverhalten und Wissen.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 20

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

6.2.2 Differenzierung des Wissensbegriffs

Wie erwähnt ist Umweltwissen allerdings kein einheitliches Konstrukt. Eine

sinnvolle Unterscheidung ist, allgemeines „Faktenwissen“ von Handlungswissen

zu unterscheiden (Homburg & Matthies, 1998). Nur wer über konkretes

Handlungswissen verfügt, ist auch fähig umweltbewusstes Handeln umzusetzen.

Dies ist auch aus dem IHM ableitbar, kennt die Person keine adäquate

Handlung, bleibt das Motiv in der Handlungsauswahlphase stecken.

Handlungswissen und Umweltverhalten korrelieren dementsprechend moderat

(Homburg & Matthies, 1998). Ein Handlungstraining bei Sekundarschülern

erwies sich in einer älteren Untersuchung von Ramsey denn auch als

wirksamer als vergleichbare Instruktionen zur Erhöhung des Umweltbewusstseins

und der Vermittlung von Fakten (Ramsey, Hungerford, & Tomera,

1981). Ramsey entwickelte auch das Issue Investigation and Action Training,

welches in Kapitel 6.3 vorgestellt wird.

Thomas Martens empfiehlt je nach Motivierungsphase und je nach Motivationstyp

angepasstes Wissen zu vermitteln. So soll zur Unterstützung der Motivbildung

„Systemwissen“ vermittelt werden. Unter dem Begriff Systemwissen

werden all jene Informationen zusammengefasst, welche notwendig

sind, um die Bedrohlichkeit eines Umweltrisikos einzuschätzen. Konkret sollten

Informationen zu Ursachen, Betroffenen, Schadenspotential bzw. -

Wahrscheinlichkeit und über den Zeithorizont vermittelt werden. Die Bedrohungsanalyse

wird durch diese Art an Informationen ermöglicht und unterstützt.

Je nach der Art der Umweltbedrohung müssen auf das Problem angepasste

Informationen vermittelt werden. Angebracht ist das Vermitteln von

Systemwissen, wenn die Thematik dem Zielpublikum noch unbekannt ist

oder bedeutende Fehlvorstellungen zu Ursachen, Wirkungen und Risiken

bestehen. Die Motivbildung kann so unterstützt werden.

Gräsel (1999) sieht das Vorhandensein von korrektem Wissen über ökologische

Zusammenhänge als notwendige Bedingung für den Aufbau einer

Problemrepräsentation an, ohne welche Umwelthandlungen nicht sinnvoll in

den eigenen Alltag eingebaut werden können. Konzeptuelles Verständnis ist

allerdings in der Bevölkerung nur rudimentär vorhanden, sowohl bei Kindern20,

Jugendlichen und Erwachsenen (insbesondere auch bei den Lehrenden

selbst). Dies ist ein Hauptgrund für die Trägheit21 des Umweltwissens.

Wichtig ist aber, dass das Systemwissen nicht in einer belehrenden Weise

vermittelt wird, da es ansonsten zu Reaktanz22 und Verantwortungsleugnung

(Verhinderung der Motivausprägung) kommen kann. Das Ziel ist es, ein

adäquates Problembewusstsein aufzubauen und nicht durch eine starke Moralisierung

oder Schadensfokussierung einen kognitiv vermeidenden Informationsverarbeitungsstil

zu fördern.

Es existieren Indizien wonach die persönliche Verantwortungsübernahme

zur Lösung von Umweltproblemen in den letzten 20 Jahren abgenommen

hat (Wray-Lake, Flanagan, & Osgood, 2009). Mit ein Grund dafür könnte der

„Informational Overflow“ und die Schadenfokussierung in den Medien und im

Alltag sein. Eine Form der Lösungsorientierung, wie sie z.B. in BNE Ansätzen

konzeptualisiert ist, muss deshalb gleichzeitig mit dem Systemwissen

vermittelt werden. In diesem Sinne rät Martens, Systemwissen (Problembe-

20 Und scheint in den letzten Jahren trotzdem abgenommen zu haben.

21 Die defizitäre Anwendung von Umweltwissen auf alltagsnahe Situationen.

22 Abwehrreaktion aufgrund einer wahrgenommenen Bedrohung der Entscheidungsfreiheit.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 21

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

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wusstsein) und Handlungswissen (Bewältigungsressourcen) in einer ausgewogen,

aufeinander bezogenen Mischung zu vermitteln um Verleugnungsund

Verdrängungseffekte zu minimieren (Martens, Erdwien, & Ramm, 2008).

Handlungsanleitendes Wissen soll die Wahrscheinlichkeit der Intentionsbildung

erhöhen. Wie bereits erwähnt korreliert diese Wissensart am stärksten

mit tatsächlichem Handeln. Das Wissen sollte entsprechend den beschriebenen

Erwartungen vermittelt werden. Die „Mängel“ der Zielgruppe sollen

angegangen werden. Zweifelt jemand beispielsweise an der Instrumentalität

seiner Handlung, kann dem begegnet werden, indem man über die Effizienz

der Handlung informiert. Schätzt ein Kind die eigene Kompetenz als gering

ein, müssen spezifische Informationen zur Umsetzung der Handlung vermittelt

werden. In englischsprachigen Untersuchungen ist der „locus of control“

(Kompetenzerwartung) einer der besten Prädiktoren des Umweltverhaltens

(Kollmuss & Agyeman, 2002) und sollte deshalb entsprechend gefördert

werden.

Bisher wurde die Qualität des Handlungswissens nicht angesprochen. Fehlkonzepte

verhindern oft effektives Umweltverhalten. So wird „nicht auf den

Boden spuken“ oder „nett zu den Haustieren sein“ von Kindern manchmal

als umweltschützende Handlung angesehen. Brämer nennt diese verniedlichenden,

fehlgeleiteten Effizienzvorstellungen das „Bambi-Syndrom“ (Brämer,

2006). Die Umweltbildung muss auf diese fehlgeleiteten Vorstellungen

eingehen und sie adaptieren, will sie erfolgreich sein.

Im Bereich des handlungsanleitenden Wissens wurden erste Versuche unternommen,

das Unterrichtspotential einzelner Handlungsweisen zu bestimmen

(Skamp, Boyes, & Stannistreet, 2009). Aus der Handlungsbereitschaft

und der Instrumentalitätserwartung23 einzelner klimaschonender Handlungen

berechnen die Autoren die jeweilige „Unterrichts-Effizienz“. Sie stellten fest,

dass die Unterrichts-Effizienz bei Primarschülern, im Vergleich zu Sekundarschülern,

durchgehend grösser ist. Zwar unterscheiden sich die Altersgruppen

nicht bezüglich der Handlungsbereitschaft, aber die Sekundarschüler

zweifeln stärker an der Instrumentalität ihres Handelns. Konkret wird den

Handlungsbereichen „Fleischkonsum“, „Umweltsteuern“ und „Konsumverhalten“

das grösste Unterrichtspotential (stärkste Effizienz) zugesprochen. Indirekte

Verhaltensweisen (z.B. Unterstützung von internationalen Übereinkünften)

wird zwar eine hohe potentielle Unterrichtseffizienz unterstellt, allerdings

manifestiert sich ein starker Unwille, diese Handlungen auszuführen24. Kostengünstige

Verhaltensweisen („Licht ausschalten“, „einen Baum pflanzen“)

sind aus anderen Gründen ineffizient. Die natürliche Bereitschaft der Handlungsumsetzung

ist hier so gross, dass mit zusätzlicher Information nichts

mehr erreicht werden kann.

Zur Unterstützung der Umsetzung der Handlungsintention ist „Umsetzungswissen“

notwendig. Umsetzungswissen konkretisiert das Handlungswissen

für den eigenen Alltag. Möglichst konkrete Informationen „wo“ und „wann“

gehandelt werden kann, unterstützen die Handlungsausführung. Dass Wissen,

dass Recycling hilft wertvolle Ressourcen zu schonen, ist Handlungswissen.

Das Wissen, dass die Altpapiersammlung jeweils am ersten Montag

23 Die Autoren gebrauchen die Begriffe „Willingness to Act“ und „Believed Usfulness of Action“.

24 Auch Martens findet bei Gymnasialschülern eine ähnliche Tendenz, dass die Schüler eher

einfache Umwelthandlungen präferieren als sich indirekt für die Umwelt einzusetzen.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 22

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

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des Monats durchgeführt wird und dass die Sammelstelle 100 Meter in Richtung

Hauptstrasse liegt ist Umsetzungswissen. Solche Informationen sind

notwendig, um das eigene Handeln im Alltag planen und umsetzen zu können.

Die in Kapitel 6.1 bereits angesprochenen Methoden wie Feedback, Commitment

fördern interne Kontrollprozesse, welche die Intention über die Zeit

aufrechterhalten. Damit steigt die Chance, dass bei einer passenden Gelegenheit

gehandelt wird. Zum Umsetzungswissen gehört auch die Förderung

von metakognitiven Reflexionen. Dazu können beispielsweise folgende Fragen

thematisiert und angegangen werden:

- Wieso habe ich meinen Vorsatz nicht realisiert?

- Was hindert mich im Alltag an der Realisierung?

- Was kann ich tun, um die Realisierungschancen zu erhöhen (Strategien

der Selbstkontrolle)?

Zur Unterstützung der Volition soll zudem das „prozeduralen Handlungswissen“

25 gefördert werden, zum Beispiel durch Übung. Allerdings wirkt die

Vermittlung von Umsetzungswissen nur auf das Umweltverhalten, wenn bereits

eine Intention ausgebildet worden ist. Niedrig motivierte oder „handlungspessimistische“

Kinder und Jugendliche werden durch diese Methoden

nicht angesprochen.

6.2.3 Zusammenfassung

Abgeleitet aus dem Integrieren Handlungsmodell erhöht sich die Chance,

dass Umweltwissen zu Umwelthandeln führt, wenn die folgenden allgemeine

Prinzipien beachtet werden (Martens et. al., S. 53):

- Es sollte nur so viel Wissen vermittelt werden, wie nötig (verhindern der

kognitiven Vermeidung).

- Leichter durchzuführende Handlungen sollten als erstes empfohlen werden

(der „Einstieg“ soll vereinfacht werden).

- Handlungs- und Umsetzungswissen sollten sich auf dieselbe (Umwelt-)

Schutzhandlung beziehen.

- Vermeidung von zu viel Information, insbesondere bei niedrig motivierten

Personen (Vermeidung von Reaktanz).

- Berücksichtigung der Phasen: Bei positiver Motivierung sollte Handlungswissen

vermittelt werden, bei positiver Intentionsbildung Umsetzungswissen.

Der Grossteil der Evidenz der Beziehung von Umweltwissen und Umweltverhalten

basiert auf Studien mit Jugendlichen oder Erwachsenen. Bei Kindern

dominieren Studien welche untersuchen, was die Kinder an Umweltwissen

besitzen und was für spezifische Konzepte zu einzelnen Umweltthemen

vorhanden sind („Schülerkonzepte“). Über den isolierten Einfluss von

einzelnen Wissensarten auf das Umwelthandeln ist so keine generelle Aussage

möglich. Die Ausnahme ist die Vermittlung von Problem- bzw. Faktenwissen,

welche sich isoliert als ineffizient erweist.

25 Verhaltensregeln und motorische Fähigkeiten in konkreten Alltagssituationen.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 23

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

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Allerdings können realistischer Weise keine kurzfristigen Verhaltenseffekte

durch Informationsvermittlung im Sinne der Informationsdefizit-Modelle, erwartet

werden. Andererseits ist „Nichtwissen“ eine Barriere oder ein Stoppgrund

für Umwelthandlungen. Als effektiv könnte sich die zielgruppenspezifische

und/oder themenspezifische Informationsvermittlung erweisen (Kapitel

6.3). Studien wie diejenige von Stainstreet et. al. (2009), können dabei als

Grundlage bei den Entscheidungen, was wem vermittelt werden soll, dienen.

Allerdings sind diese Analysen noch selten. Welche Inhalte welchen Kindern

oder Jugendlichen vermittelt werden sollen, ist deshalb Großteiles unklar.

Gräsel bemerkt dazu, dass sich die Handlungswirksamkeit verschiedener

Wissensarten im „konvergenten Zusammenwirken“ von Umweltwissen,

Handlungswissen, Wirksamkeitswissen und sozialem Wissen26 (Gräsel,

1999) entsteht. Pädagogische Ansätze mit einer Kompetenzorientierung, wie

beispielsweise BNE, sind deshalb langfristig erfolgsversprechender, da ein

effektives Zusammenspiel dieser Wissensarten über Kompetenzen, nicht

über das Lernen von Fakten gefördert wird.

Erfolgsversprechend scheinen zudem neuere Ansätze der Zielpublikumsorientierung

(Tailored Information Systeme, Community-based social marketing,

Kapitel 6.3.2). In Abstimmung auf den (Motivations-)Typ, die Umwelthandlung

oder spezifische Handlungsbarrieren werden gezielt Informationen

massgeschneidert. Niedrig motivierten Personen kann beispielsweise kompensatorisch

Systemwissen vermittelt werden. Dieses Vorgehen verhindert

zudem die Reizüberflutung und das damit verbundene Risiko der kognitiven

Vermeidung.

6.3 Erfolgsfaktoren handlungsauslösender Bildungsprojekte - Analyse

einzelner erfolgreicher Bildungsprojekte der Kinder- und

Erwachsenenbildung.

Im vorangehenden Abschnitt wurde erläutert, dass Bildungsprojekte, welche

sich auf die Vermittlung von Problembewusstsein beschränken, wenig handlungswirksam

sind. In der Umweltbildung wird darüber hinaus eine Vielzahl

an innovativen und kreativen Bildungsprogrammen umgesetzt, allerdings

werden die wenigsten davon evaluiert. Die wichtige Frage ist dabei, welche

Aspekte dieser Bildungsprogramme handlungsauslösend sind. Es bestehen

zwei Möglichkeiten, diese Frage anzugehen, erstens die einzelnen Aspekte

werden experimentell isoliert getestet oder zweitens, die Resultate mehrerer

ähnlicher Bildungsprogramme werden analysiert und bewertet. Experimentelle

Studien mit Kindern und Jugendlichen sind eher selten, deshalb sind

Übersichtsstudien („Metaanalysen“) von grossem Wert. Zelezny berichtet

beispielsweise über 18 Studien, welche die Handlungswirksamkeit von Bildungsprogrammen

im Schulzimmer und Programmen ohne schulischen

Kontext27 untersuchen (Zelezny, 1999).

Einige Muster zeichnen sich in der Untersuchung ab:

- Alle Schulzimmeraktivitäten resultieren in einer Steigerung des umweltfreundlichen

Verhaltens. Im Gegensatz dazu finden nur vier von neun

Studien ohne schulischen Kontext entsprechende Effekte. Die Effekt-

26 Mit teilweise unterschiedlichen Begriffen wurden diese Wissensarten bereits erwähnt.

27 Zum Beispiel Workshops, Ferienlager in der Natur.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 24

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

stärke28 ist zudem bei den Schulzimmeraktivitäten grösser. Beide Studien,

welche die Ferienlager evaluieren, finden allerdings bedeutende Effekte.

- Bildungsprojekte, welche eine aktive Partizipation der Schüler fordern29

sind effektiver als Programme ohne aktive Teilnahme30. Die Effektivität

scheint zudem mit dem „Grad der Partizipation“31 zu steigen.

- Die Effizienz der Programme steigt, wenn jüngere Teilnehmer involviert

sind. Bei erwachsenen Studenten sind die Effekte am geringsten32. Es ist

allerdings nicht sicher, ob dieser Befund durch die Programmlänge bedingt

ist. Die Bildungsprogramme mit jüngeren Teilnehmern sind tendenziell

zeitintensiver.

Eine zweite Übersichtsarbeit untersucht zusätzlich zum Umweltverhalten die

Wirkung von Bildungsprojekten auf das Umweltwissen und die Umwelteinstellungen

(Rickinson, 2001). Die Autoren bemerken, dass überwiegend

kurzfristige Effekte gemessen werden und weniger Langzeitauswirkungen.

Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit, zusammen

mit neueren Studien zusammengefasst.

6.3.1 Programmschwerpunkte und einzelne erfolgreiche Bildungsprojekte

Ein erster Programmschwerpunkt sind Outdoor-Bildungsaktivitäten. Die Programme

sind meist von Nationalparks, privaten Anbietern oder durch staatliche

Förderinitiativen ausgearbeitet. Die Ziele sind dementsprechend gemischt.

Eine Zielsetzung ist oft, die Kinder in ihrer gesundheitlichen Entwicklung

zu fördern33. Ein zweites wichtiges Ziel ist, den Kindern die Natur näher

zu bringen. Nur in den seltensten Fällen war die Änderung des Umweltverhaltens

das Ziel der Programme. Die Beeinflussung des Umweltverhaltens

ist so oft eher ein „implizites Ziel“ der Programme und wird deshalb nicht direkt

getestet. Dieselbe Feststellung gilt für die schulischen Umweltbildungsprogramme.

Die Beschreibung der Programme selbst ist oft sehr rudimentär.

Gemäss diesen Beschreibungen bestehen die meisten Programme aus einer

Mischung von Wissensvermittlung, Freizeitaktivtät und Naturerkundung.

Bogner findet in allen Bereichen des Umweltbewusstseins, also auch bei der

Intentionsbildung, positive Veränderungen durch ein Outdoor-

Bildungsprogramm für die Primarschule (Bogner, 1999). Dabei spielte es

keine Rolle, ob die Programme eher kognitiv (Wissensvermittlung) oder affektiv

(z.B. berühren eines Baumes usw.) ausgerichtet waren. Die meisten

28 Je stärker das Programm auf das Umwelthandeln wirkt, desto grösser wird die Effektstärke

29 Beispiele dafür sind die Erstellung eines Gemüsegartens; ein Kunstwerk aus wiederverwertbaren

Materialien gestalten oder das Experimentieren mit biologisch Abbaubaren Materialien.

30 Unterricht ohne Diskussionen oder Laboraktivitäten; das Lesen einer Informationsbroschüre;

oder die Vorführung eines Informationsfilms.

31 Dieser Grad ist allerdings schwierig zu bestimmen, da die Programme sehr unterschiedlich

sind und teilweise nur rudimentäre Information zu den verwendeten Methoden vorhanden

sind.

32 Allerdings sind nur wenige Studien mit Primarschülern im Sample, mit Vorschulkindern gar

keine.

33 Z.B. bestehen Vermutungen, dass das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom durch Naturerfahrungen

abgemildert werden kann.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 25

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

vergleichbaren Studien messen nur die Umwelteinstellung. Dabei findet sich

immer wieder ein verstärktes Problembewusstsein und eine positivere Einstellung

gegenüber der Umwelt nach den Programmen (Cachelin, Paisley, &

Blanchard, 2009; Stern, Powell, & Ardoin, 2008). Wird eine verzögerte Nachtestung

durchgeführt, fallen die Werte allerdings oft wieder auf ihr Ausgangsniveau

zurück (Uzzell, Rutland, & Whistance, 1995).

Es herrscht bei den meisten Autoren Konsens, das Erfahrungen in der Natur

die Umwelteinstellung oder das Umweltbewusstsein von Kindern in einer

positiven Weise beeinflussen (Johnson & Manoli, 2008; Rickinson et al.,

2004). Wie verhaltenswirksam Projekte mit dem Fokus auf Naturbegegnungen

sind, ist weniger klar. Einige Programme erreichen eine verstärkte Bildung

von Handlungsintentionen kurz nach dem Programm, andere nicht. Es

bestehen allerdings Indizien, dass alltägliche Naturerfahrungen als Kind das

spätere Umweltverhalten als Erwachsene stark beeinflussen können (Kapitel

6.4).

Folgende Programmkomponenten erweisen sich im Zusammenhang mit

Outdoor-Bildungsaktivitäten als effektiv, die Umwelteinstellung von Kindern

zu beeinflussen.

- Die Lehrperson achtet auf ihre Modelfunktion. D.h. die unterrichtende

Person macht ihre Gefühle zur Natur transparent, geht auf Schülermeinungen

ein und fordert die Schülerinnen und Schüler auf, ihre Gefühle

auszudrücken.

- Das Wissen, dass die Wildnis eine sichere Rückzugmöglichkeit für

Pflanzen und Tiere bietet.

- Die Schülerinnen und Schüler müssen sich im Freien wohl fühlen und

die Natur als physisch anspruchsvoll wahrnehmen.

Schulische Projekte werden ebenfalls als wirksam beurteilt, das Umweltbewusstsein

von Kindern und Jugendlichen, insbesondere das Umweltwissen,

zu erhöhen (Rickinson, 2001). Allerdings gilt auch hier, dass sich die Studien

auf die Messung von Umweltwissen und Umwelteinstellung beschränken.

Keine der beschriebenen Studien berichtet von einem Einfluss auf das Umweltverhalten.

Der Grossteil der Programme arbeitet mit innovativen Unterrichtsformen

wie dem Rollenspiel, der Erarbeitung von Zukunftsvisionen oder

einer Mischung von Klassenzimmer- und Outdooraktivitäten. Interessant

ist eine Studie von Leeming (1997). Hier wurden Schulklassen ermuntert,

einfache Umwelthandlungen gemeinsam (mit externer Unterstützung) während

des Schuljahres auszuführen. Die Klassen, welche an dem Programm

teilnahmen, verbesserten in der Folge auch ihre Umwelteinstellung und ihr

Umweltwissen. Handeln kann also auch Rückkoppellungen auf andere

Komponenten des Umweltbewusstseins haben.

Gruppendiskussionen werden als interaktives Element im Unterricht gerne

verwendet. Die Diskussionen sind dabei effektiver, wenn die folgenden

Punkte beachtet werden:

- Offenlegung der eigenen Meinungen und Ansichten (der Lehrperson und

der Schülerinnen und Schüler) und die Diskussion darüber

- Anknüpfen an bisheriges Wissen durch diskursive Gesprächsführung

- Reflexion des Lernprozesses

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 26

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

- Förderung des metakognitiven Verständnisses (Wissen über das eigene

Wissen).

Als langfristig erfolgreich erwies sich ein breit gestreutes Erziehungsprogramm

zum Energiesparen in den USA (NGO finanziert). Kindergarten- und

Primarlehrpersonen wurde gratis ein Unterrichtsplan, Tests, Poster und ein

Video, den Schülerinnen und Schüler ein Studien- und Hausaufgabenbuch

zur Verfügung gestellt. Acht Themenblöcke, wie zum Beispiel „wie wird

Energie genutzt“, wurden gestaltet. Sechs Jahre (!) nach der Intervention

zeigte sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Programms ein

erhöhtes Wissen im Bereich Energie, ein grösseres Interesse an energiebezogenen

Themen und am wichtigsten, ein höheres Ausmass an energiesparenden

Handlungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Solche langfristig ausgelegten

Studien sind leider immer noch die Ausnahme. Ein interessanter

Befund ist zudem, dass die Anzahl der unterrichteten Themenblöcke mit der

Höhe der Veränderung positiv zusammenhängt. D.h. je mehr Themenblöcke

die Kinder absolviert hatten, desto mehr energiesparende Aktivitäten wurden

ausgeführt. Die Studie liefert folglich einen Hinweis, dass sich Umweltunterricht

langfristig auf das Umweltverhalten auswirken könnte.

Ein erfolgsversprechender Ansatz ist das „Issue Investigation and Action

Training“ (IIAT) für die Sekundarschulstufe (Ramsey et al., 1981; Ramsey,

1993). Das Programm ist für ein Semester ausgelegt. Es ist interdisziplinär

gestaltet und legt das Hauptaugenmerk auf die Förderung der Handlungskompetenz.

In einem ersten Schritt wird eine Umweltthematik eingeführt und

die Werthaltungen der Schülerinnen und Schüler zum Thema werden diskutiert.

Darauffolgend werden die Kompetenzen trainiert, umweltschädliche

Entwicklungen zu analysieren, zu bewerten und wirksame Handlungen umzusetzen

(bezogen auf das Thema). Die trainierten Kompetenzen sind vor

allem der Handlungsauswahlphase des integrierten Handlungsmodells zuzuordnen.

Zum Beispiel wurden die Schülerinnen und Schüler in ihrer Überzeugung

bestärkt, dass sie kompetent und fähig sind, umweltfreundlich zu

Handeln (locus of control) oder der Glaube an die Instrumentalität ihres

Handelns wurde gesteigert. Das IIAT ist also hauptsächlich ein Handlungstraining.

In der anschliessenden Testung konnte nachgewiesen werden,

dass die trainierten Kompetenzen bei den Jugendlichen verstärkt werden

konnten. Und am wichtigsten: das IIAT fördert das eigenständige Umwelthandeln

der Jugendlichen. Die aufeinander bezogene Vermittlung von Problemwissen

und Handlungswissen, zusammen mit einem Handlungstraining

ist somit effektiv umweltfreundliches Verhalten zu fördern. Interessant ist,

dass die „Umweltsensitivität“, eine Variable ähnlich der Umwelteinstellung in

anderen Studien, durch das Training nicht gesteigert werden konnte. Die

beiden Komponenten können folglich unabhängig voneinander beeinflusst

werden. Ramsey vermutet dazu, dass die Umweltsensitivität kumulativ aufgebaut

wird und direkt mit Naturerfahrungen zusammenhängt.

Hinsichtlich des Umweltverhaltens hält Rickinson (2001) fest, dass immer

noch unklar ist, welche Programme bei welchen Kindern und unter welchen

Umständen wirken. Diese Erkenntnis gilt auch noch heute. Bei den folgenden

Programmaspekten und Programmschwerpunkten wird allerdings vermutet,

dass sie das Umweltverhalten beeinflussen können (Rickinson,

2001).

- Dauer der Intervention: Längere Interventionen zeigen mehr Wirkung in

allen Aspekten des Umweltbewusstseins. Bogner findet bei einem eintäLiteraturübersicht

mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 27

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

gigen Outdoorprogramm, im Gegensatz zu einem Fünftägigen, keine Effekte

auf Verhaltensniveau (Bogner & Wiseman, 1998), zu ähnlichen Ergebnissen

gelangt Stern (2008). Es wird deshalb empfohlen, Programme

mit einer Mindestdauer von einer Woche zu planen, wenn man das Umweltverhalten

beeinflussen will. Einstellungsänderungen sind auch mit

kurzen Interventionen zu erreichen34.

- Ort (Outdoor vs. Indoor): Die Ergebnisse sind teilweise widersprüchlich.

Vermutlich hängt die Wirkung von der spezifischen Kombination aus

Teilnehmercharakteristiken, Unterrichtszielen, Unterrichtsthemen und

des Ortes ab. Eine Vermutung geht in die Richtung, dass die Umwelteinstellungen

eher im direkten Naturkontakt, Verhaltensweisen eher im

Schulzimmer stärker beeinflusst werden können (Zelezny, 1999). Allerdings

finden sich auch dieser Hypothese wiedersprechende Ergebnisse35

(Bogner, 1999; Johnson & Manoli, 2008; Rickinson et al., 2004;

Stern et al., 2008).

- Vor- und Nachbearbeitung: Eine Vorbereitung durch speziell geschulte

Lehrepersonen erweist sich als notwendige Bedingung für den Lernerfolg

und die Änderung der Umwelteinstellung und der Beeinflussung der

Handlungsintentionen bei einem Zoobesuch. Allgemein wird vermutet,

dass der Erfolg eines Programms stark von der Gestaltung der Vor- und

Nachbereitung36 abhängt.

- Einbezug des persönlichen Umfeldes der Schülerinnen und Schüler: Die

Ergebnisse sind eher spekulativ, es wird aber angenommen, das sich

vor allem der Einbezug der Eltern positiv auf die Ergebnisse eines Programms

auswirkt. Neuere Erkenntnisse zum Einfluss der Eltern auf das

Umweltverhalten (Kapitel 6.4) lassen diese Vermutung als plausibel erscheinen.

Der Einfluss unterschiedlicher Schülercharakteristiken untersuchte Leeming

(1997) in der erwähnten Studie. Er stellte fest, dass sich die Einstellung bei

jüngeren Kindern (6-9 Jahre) durch die Teilnahme an den umweltschützenden

Aktivitäten stärker entwickelt als bei „älteren“ Kindern (10-14 Jahre). Bei

letzteren verändert sich die Einstellung oft gar nicht mehr. Weiter stellten die

Autoren fest, dass sich die Kinder mit dem stärksten Interesse37 auch am

stärksten von den Interventionen beeinflussen lassen. Dementsprechend

verändern die Kinder mit dem geringsten Interesse ihre Einstellung am wenigsten.

Dies lässt vermuten, dass es Subgruppen von Schülern gibt, welche

Umweltunterricht weder geniessen noch davon profitieren (oder eines von

beidem). Die Massschneiderung von Programmen und Informationen auf

verschiedene Subgruppen oder Motivationstypen ist eine Möglichkeit mit

diesem Problem umzugehen. Leider existieren noch keine experimentellen

Studien zu solchen Ansätzen im Kindesalter.

Normzentrierte Strategien, wie sie in der Erwachsenenbildung eingesetzt

werden (EcoTeams, soziales Marketing), sind im Kindesalter nicht systematisch

wissenschaftlich evaluiert worden. Ein Grund dafür mag sein, dass die-

34 Allerdings sind diese Änderungen unter Umständen kurzfristiger Natur.

35 Sowohl die Umwelteinstellung als auch das Umweltverhalten verändern sich im Sinne des

Programms.

36 Z.B. die Umsetzung des Gelernten im Alltag und Diskussion über die eigenen Erfahrungen

bei der Handlungsumsetzung.

37 Eingeschätzt durch die Lehrperson.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 28

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

se Techniken einen unangenehmen „moralisierenden“ Beigeschmack haben.

Unbestritten ist aber, dass soziale Modelle einen bedeutenden Einfluss auf

das Umweltverhalten der Kinder und Jugendlichen haben (Kapitel 6.4). Soziale

Normen spielen im Verhalten der Kinder eine wichtigere Rolle als bei

Erwachsenen. Über entsprechende Interventionsformen, wie sie bei Erwachsenen

erfolgreich angewendet werden (z.B. das Commitment), wird

wenig berichtet. Soziale Prozesse sind allerdings entscheidend, ob ein Verhalten

im Alltag auch wirklich umgesetzt wird. Diesen Strategien ist also ein

grosses Potential zuzuschreiben. Allerdings sollte der Einsatz nicht als Beeinflussungsversuch

wahrgenommen werden, da ansonsten Reaktanz entstehen

kann.

6.3.2 Beeinflussungsstrategien

Im Gegensatz zur Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen wird bei

Erwachsenen eher von der Beeinflussung des Umweltverhaltens gesprochen.

Die Erwachsenen sollen nicht „ausgebildet“, sondern das Umweltverhalten

soll im gewünschten Sinn beeinflusst werden. Die Informationsvermittlung

verliert an Bedeutung und dient vor allem der Effizienzerhöhung der

Intervention.

Zu den Möglichkeiten der Beeinflussung des Umweltverhaltens Erwachsener

ist eine Vielzahl an Studien verfügbar. Einschränkend ist allerdings zu bemerken,

dass im Allgemeinen eher „Low cost“ als „high cost“ Handlungen

gefördert werden. Erwachsene werden eher in der Verhaltensumsetzung unterstützt

und verstärkt (Volitionsphase) als dass sie „motiviert“ werden.

Feedback

Feedback bezeichnet die Strategie, Versuchspersonen ihre Fortschritte (oder

Stagnation) in ihrem Umweltverhalten regelmässig mitzuteilen. Der Hintergrund

der Überlegung ist, nicht sichtbare umweltschädliche Verhaltensweisen

sichtbar zu machen (wie z.B. beim Heizenergieverbrauch). Das

Feedback soll die eigene Kompetenzerwartung und das positive Erfolgserleben

steigern, sowie die Wahrscheinlichkeit der Verhaltensautomatisierung

erhöhen.

Meist werden während der Rückmeldungsphase bedeutende Effekte auf das

Umweltverhalten gefunden. Feedback kann zu Einsparungen von 5 – 15%

führen. Die Verhaltenskonsolidierung nach der Beendigung des Feedback

gelingt allerdings oft nicht, das Verhalten kehrt wieder auf das Niveau vor

der Untersuchung zurück (Dwyer, Leeming, Cobern, Porter, & Jackson,

1993). In einer neueren Übersicht wird Feedback als notwendige Bedingung

gesehen, um energiesparende Handlungen (Gas, Strom, Heizöl usw.) umsetzen

zu lernen (Darby, 2006). Das Feedback wird bei diversen Interventionen

als ein Element in Kombination mit anderen eingesetzt.

Programme, welche unterschiedliche Strategien kombinieren, finden stärkere

Verhaltenseffekte als die Summe der einzelnen Strategien es erwarten

liesse (Stern, 2000). Ein Beispiel dafür stammt aus den USA (Abrahamse et

al., 2007). Die Autoren kombinierten das Feedback mit einem internetbasierLiteraturübersicht

mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 29

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

ten Tailored38 Information System und Zielsetzungen. Sie erreichten damit

eine bedeutende Änderung des Haushaltsenergieverbrauchs bei den Teilnehmern

(5.1% direkte Energieersparnisse verglichen mit einer Erhöhung

des Energiekonsums von 0.7% in der Kontrollgruppe). Alle verhaltensbezogenen

Masse verbesserten sich, der tatsächliche Energiekonsum sank und

es wurden mehr energiebezogene Verhaltensintentionen gebildet (und Verhaltensweisen

ausgeführt). Das Verhalten scheint zudem konsolidiert zu

werden.

Verpflichtung (Commitments)

Ein Commitment ist eine Selbstverpflichtung, mündlich oder schriftlich, eine

konkrete Verhaltensweise auszuführen (z.B. Altpapier einsammeln). Das

Commitment muss dabei freiwillig erfolgen (ohne externen Druck). Da die

Verpflichtung immer gegenüber einer Person oder Institution geäussert wird,

ist das Commitment eine normzentrierte Technik. Die Verpflichtung erhöht

dabei die internale Verhaltenskontrolle, welche als effektiver eingeschätzt

wird als eine externe Kontrolle (Selbstkontrollstrategien werden eher angewendet).

Das Commitment erweist sich oft als eine der effektivsten Massnahmen, das

Umweltverhalten zu steigern (Dwyer et al., 1993). Je konkreter und öffentlicher

das Commitment geäussert wird, je stärker ist seine Wirkung.

Materielle Belohnungen

Die Sackgebühr, das Dosenpfand, Steuern auf den Benzinverbrauch sind alles

Beispiele für materielle Belohnungen bzw. Bestrafungen und werden seit

langem umgesetzt. Abseits dieser regulatorischen Massnahmen besteht die

Möglichkeit, erwünschtes Umweltverhalten durch eine Belohnung zu verstärken39.

Dabei zeigt sich immer wieder, dass die Belohnung sehr effektiv

sein kann, allerdings nur solange die Belohnung erfolgt (Dwyer et al., 1993).

Belohnungen für eine Gruppenleistung sind generell effektiver (soziale Motivierung,

Kontrolle). Dwyer berichtet von einem Versprechen einer Schulleitung,

bei einer Reduktion des Litterings in der Umgebung der Schule, zur

Belohnung einen Film zu schauen. Erstaunlicherweise wurde nicht nur das

Ziel erreicht, sondern in der Folge stabilisierte sich das Litteringverhalten.

Eine passende Belohnung im passenden Kontext könnte sich demnach gerade

bei Kindern und Jugendlichen als gutes Instrument der Verhaltensänderung

erweisen.

Vorgabe von Zielen

Damit eine Zielsetzung erfolgreich übernommen wird, muss das Ziel freiwillig

akzeptiert werden. Wenn das Ziel realistisch gesetzt ist, kann es umweltschützendes

Verhalten fördern40. Zielsetzungen sind vor allem in der Kombination

mit anderen Massnahmen sinnvoll. Sie ermöglichen es, die Ergebnisse

der eigenen Anstrengungen an einem Referenzpunkt zu beurteilen (auch

38 Informationen werden wie von Martens beschrieben auf das Individuum massgeschneidert.

39 Meist wird aus Kostengründen nur unstetig, z.B. über eine Lotterie erwünschtes Verhalten

verstärkt.

40 Z.B. sammelte eine Gruppe von College-Studenten mit Zielvorgaben 37% mehr Aluminiumbüchsen

als eine Vergleichsgruppe welche nur angehalten wurde die Büchsen zu sammeln.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 30

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

im Quervergleich mit anderen Personen). Wird ein Ziel erreicht, kann dies

eine starke Zunahme der Handlungsmotivation auslösen.

Soziale Modelle und Blockleader

In Kapitel 6.1 wurde über die Auswirkungen einer Videosequenz mit handlungsanleitendem

Wissen berichtet (Winet, 1982). Besonders effektiv ist das

Rollenmodell allerdings im direkten Kontakt. Bewährt hat sich die so genannte

Blockleader Technik. Aus einer Gruppe werden einzelne Personen

ausgewählt, welche ein erwünschtes Verhalten bereits ausführen (z.B. ein

Bewohner eines Wohnblocks oder Strassenzuges). Diese werden dazu angehalten,

als „Blockleader“ zu fungieren, d.h. zum Beispiel über Abholtermine

der Müllabfuhr zu informieren oder als Ansprechpartner bei offenen Fragen

zur Verfügung zu stehen. Homburg (1998) berichtet von Programmen,

welche durch die Blockleader-Technik massiv höhere Beteiligungsraten, z.B.

bei der Mülltrennung, erreichen. Diese Technik wird, wenn auch nicht explizit

erwähnt, beim nun beschriebenen Programm „Eco Teams“ verwendet.

Eco Teams

Eco Teams sind Kleingruppen, welche sich ein umweltgerechteres Handeln

zum Ziel setzen. Die Gruppen sind aus Einzelpersonen zusammengesetzt,

welche jeweils einen Haushalt repräsentieren und sich einmal monatlich treffen

(insgesamt sechs Monate). An den Treffen werden Informationen und

Ratschläge erteilt, wie man den Energiekonsum, das Abfallvolumen und den

Wasserverbrauch verringern kann. Vor dem ersten Treffen sind die Teilnehmer

angehalten, ihre Abfallmenge (Recycling), ihren Wasserverbrauch, ihren

Heizöl- und Stromkonsum zu messen. Diese Daten werden analysiert, diskutiert

und darauffolgend individuelle Ratschläge erteilt. Die Gruppe tauscht

sich über ihre Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge aus und gibt den anderen

Teilnehmern Ratschläge. Das Ziel des Programmes ist, dass die Teilnehmer

ihre Handlungsbarrieren überwinden und umweltfreundliche Verhaltensweisen

automatisieren.

Es existieren unterschiedliche Varianten für die Zusammensetzung solcher

Gruppen. Erstens, freiwillige Leiter werden angeworben und ausgebildet.

Diese rekrutieren aus ihrem Umfeld Teilnehmer für die Teams (Blockleader).

Zweitens, eine Gruppe von Interessenten bildet und organisiert sich selber.

Die Organisation stellt lediglich das notwendige Material zur Verfügung. Drittens,

angestellte Instruktoren werben ein Gruppe an und leiten diese in der

Folge selbst. Die dritte Variante ist die aufwändigste und teuerste Möglichkeit

der Gruppenzusammensetzung. Zudem berichten die Projektkoordinatoren

von erheblichen Schwierigkeiten bei der Teilnehmerrekrutierung.

Eine kürzlich erschienene Evaluation (GlobalActionPlan, 2008) zeigt dass

die Eco Teams sehr effektiv sind41. Durchschnittlich verringert sich der

Stromverbrauch um 5.1%, erhöht sich die Recyclingmenge um 4.7% (die

Gesamtmenge des Abfallvolumens nimmt ab), der Wasserkonsum sinkt um

11.2%, der CO2 Verbrauch sinkt um 13.2% (jeweils auf den gesamten

Haushalt berechnet). Am grössten ist die Einsparung bei der Heizenergie,

17.8% wurde nach dem Programm weniger verbraucht. Noch wichtiger ist,

dass die Automatisierung der Verhaltensweisen offensichtlich gelingt. Teilnehmer

aus früheren Jahren verändern ihre Kennzahlen kaum noch. Die

41 Allerdings werden keine statistischen Kennwerte angegeben.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 31

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Teilnehmer berichten zudem überwiegend von positiven Erfahrungen während

des Programms.

Die Blockleader-Technik erwies sich dabei als die erfolgreichste, die Teilnehmer

erzielten sogar bessere Resultate als die durch professionelle Instruktoren

geführten Gruppen. Nur gering verbesserten sich die Werte der

selbstorganisierenden Gruppen.

Die Autoren selbst führen folgende Ursachen für den Erfolg der Eco Teams

an:

- Gruppendynamiken im Team: soziale Kontrolle und Druck, Verstärkung

durch Gleichgesinnte, Gruppenerfolgserlebnisse.

- Feedback während den Treffen: eigenes Erfolgserleben, Sichtbarkeit des

eigenen Fortschritts.

- Die Einsicht, dass umweltfreundliches Verhalten den eigenen Lebensstiel

nicht beeinträchtigen muss (und Geld gespart werden kann).

Der grosse Nachteil des Ansatzes ist allerdings, dass überwiegend hochmotivierte

Personen erreicht werden. Der Ansatz zielt darauf ab, Handlungshindernisse

und Hemmnisse abzubauen bzw. eine Automatisierung des Verhaltens

zu erreichen, nicht die Handlungsmotivation zu steigern.

(Partizipatives) Soziales Marketing

Im Gegensatz zu der Vermarktung eines Produkts geht es beim sozialen

Marketing um die Vermittlung einer sozialen Idee. Die Methoden sind allerdings

angelehnt an einzelne Marketingkonzepte. Es wird ein Vorgehen in

vier Schritten vorgeschlagen (Geller, 1989):

1. Marktanalyse: Bestimmung der Wahrnehmung der Problematik, Bereitschaft

zur Verhaltensänderung und vorhandene Einstellungen in der Zielgruppe

bestimmen. Zudem ist das zu ändernde Verhalten festzulegen.

2. Marktsegmentierung: Einteilung der Zielgruppe in homogene Subgruppen

(z.B. aufgrund des Motivationstyps, der Art der Handlungsbarriere oder der

kognitiven Entwicklung eines Kindes).

3. Marketing-Strategie: Auf die Subgruppen abgestimmte „Vermarktung“ der

sozialen Idee. In diese Phase fällt die Implementierung einer Interventionsstrategie.

So ist es denkbar, unterschiedliche Informationsarten zu vermitteln,

eher auf normzentrierte Techniken zu setzen usw.

4. Evaluation: Vorher-Nachher Befragung der Zielgruppe.

Das Konzept kann um eine partizipative Komponente erweitert werden. Die

Voraussetzung ist, dass grosse Teile der Zielgruppe bereit sind, die soziale

Idee (oder Handlung) angepasst auf ihre persönliche Situation weiterzutragen.

Jede von der Aktion angesprochene Person soll die Idee einer oder

zwei Personen weitervermitteln, der „Schneeballeffekt“ soll so ausgenutzt

werden. Als wichtiger Mechanismus wird das Modellernen angesehen. Ein

Beispiel hierfür ist die Klimaschutzaktion „nordlicht“42.

Eine weitere Abwandlung ist das Community Based Social Marketing

(McKenzie-Mohr, 2000). Der Ansatz konzentriert sich stark auf Handlungshindernisse

und auf das Handlungstraining (wie z.B. das IIAT). Während der

42 http://www.nordlicht.uni-kiel.de/

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 32

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Marktsegmentierung werden zielgruppenspezifische Handlungshindernisse

festgestellt und diese darauffolgend gezielt angegangen43. Neben den Handlungsbarrieren

soll auch die Handlungsbereitschaft der Zielgruppe in Erfahrung

gebracht werden. Dies um zu verhindern, dass die Zielgruppe mit Reaktanz

reagiert44. McKenzie Mohr (2000) berichtet von zwei Fallbeispielen,

welche erstaunliche Effekte erzielten. Zum Beispiel konnte der Wasserverbrauch

von Haushalten um 54% gesenkt werden (eine Kontrollgruppe, welche

nur Tipps erhielt, erhöhte in derselben Zeit den Wasserverbrauch um

15%).

Eine weniger direkte Form des sozialen Marketings ist der erwähnte Tailored

Information Ansatz. Hier werden insbesondere individuelle Wissensdefizite

oder Motivationstypen bestimmt und darauffolgend benutzerspezifische Informationen

verbreitet. Diese Form kann auch über die Distanz erfolgen,

zum Beispiel über eine Internetseite.

6.4 Einfluss der Schule beziehungsweise der Familie auf das Umweltverhalten

Der Einfluss der Schule und der Familie auf das Umweltverhalten ist nicht

einfach zu bestimmen, andere Einflüsse müssen dazu ausgeschlossen werden.

Eine mögliche Lösung die Frage anzugehen, ist die Befragung von Personen,

welche im Umweltschutz aktiv sind (stark ausgeprägtes Umweltverhalten).

Chawla stellte 56 Umweltschützerinnen und Umweltschützer in Kentucky

und Norwegen die folgenden Fragen: Wie erklären sie sich die Ursachen

ihres Engagements für den Umweltschutz? Welche persönlichen Erfahrungen

brachten und inspirierten sie dazu, umweltschützend tätig zu

werden? (Chawla, 1999)

Die Befragung zeigte, dass eine Mischung aus bewusster Anstrengung und

Zufall zur Berufswahl führten. Beinahe alle Befragten führen ihren Einsatz

auf mehrere Ursachen bzw. Erfahrungen zurück, ein Grossteil davon ist in

ihrer Kindheit angesiedelt. 77% der Befragten erwähnen die Familie (64%

Eltern, 13% Andere), 38% geben Erfahrungen in der Schule als Beweggrund

an. Die Familie ist somit, zusammen mit Naturerfahrungen in der Kindheit45

(77%) die Hauptursache für das Engagement der Umweltschützerinnen. Der

Häufigkeit nach absteigend werden die folgenden Ursachen genannt:

- Freiwillige Mitarbeit in Organisationen in der Kindheit (Pfadfinder, Umweltgruppen

für Kinder und Erwachsene usw.): 55%

- Negative Erfahrungen (von Umweltzerstörungen) in der Kindheit: 39%

- Freunde: 32%

43 Dies können ganz einfache Massnahmen sein. Wenn zum Beispiel festgestellt wird, dass

sich die Bewohner in einem Quartier nicht sicher sind, wohin sie ihren Grünabfall bringen

sollen, wird ein gut sicht- und erreichbarer Grüncontainer aufgestellt und die Bewohner werden

über den Standort informiert.

44 Z.B. zeigte sich, dass viele Leute nicht mit ihren Nachbarn über ihre Mülltrennungsgewohnheiten

sprechen wollten. Ein Blockleader Ansatz wurde deshalb aufgegeben.

45 Angegeben werden hauptsächlich Naturerfahrungen des Alltags, wie naturnahe Orte auf

dem Schulweg, Wälder nahe dem Wohnort oder in den Familienferien besuchte Orte.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 33

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Weniger bedeutend sind: Berufswahl (27%), Gerechtigkeitssinn (25%), Einflussreiche

Bücher oder Autoren (20%), Prinzipien und Religion (15%) und

Sorge um die kommenden Generationen (4%). Die Beweggründe variieren

mit dem Lebensalter, so ist die Mitarbeit in Organisationen im Erwachsenenalter

der meistgenannte Beweggrund.

In vergleichbarer Weise befragte Palmer Umweltschützer nach der wichtigsten

Ursache für ihre Tätigkeit (Palmer, 1995). Wiederum sind Naturerfahrungen

in der Kindheit (29%) zusammen mit der Familie (26%) die meistgenannten

Ursachen. Die Schule wird nur von 9% als wichtigste Ursache genannt

(Organisationen: 5%).

Beide Autoren betonen die herausragende Bedeutung von Naturerfahrungen

und die vergleichsweise geringe Bedeutung der Schule46. Die Familie ist, oft

in Kombination mit Naturerfahrungen (z.B. ein Elternteil, welches Naturphänomene

zeigt und erklärt), mit Abstand der zweitwichtigste Beweggrund.

Die Familie übt folglich den grösseren Einfluss auf das spätere Umweltverhalten

aus als die Schule. Diese Art der Studien haben allerdings auch gewichtige

Nachteile. Erstens wird mit den Umweltschützern eine spezifische

Gruppe befragt, welche nicht repräsentativ für die Bevölkerung ist. Ein zweites

Problem ist das Gedächtnis, viele Erfahrungen und Einflüsse in der

Kindheit werden oft nicht mehr bewusst erinnert oder überhaupt erkannt.

Drittens die retrospektive Befragungen, Erinnerungen werden oft den aktuellen

Bedürfnissen und Einstellungen angepasst. Eine emotionale Verklärung

einzelner Beweggrunde kann nicht ausgeschlossen werden.

Ein Hinweis, dass die Schule durchaus einen Einfluss auf das Umweltverhalten

haben kann, zeigen Studien welche den Einfluss demographischer Variablen

auf das Umweltverhalten untersuchen. Oft ist die „Anzahl Jahre

Schulbildung“ einer der stärksten Prädiktoren für umweltgerechtes Handeln

(Chenyang & McCright, 2007; Schahn, 1990). In einer Übersicht zu den demographischen

Einflussfaktoren des Umweltverhaltens (Diamantopoulos,

Schlegelmilch, Sinkovics, & Bohlen, 2003) finden alle untersuchten Arbeiten

(39 Studien) einen positiven Zusammenhang zwischen der Schulbildung und

dem Umweltverhalten bzw. der Umwelteinstellung. Dies erstaunt, da bei anderen

Variablen (z.B. Geschlecht, Alter) die Ergebnisse oft inkonsistent

sind47. In Kapitel 6.3 wurde besprochen, dass die schulische Umweltbildung

das Umweltbewusstsein fördern kann, zumindest kurzfristig. Die Langzeitauswirkungen

sind allerdings noch nicht untersucht worden. Der Einfluss der

Schule auf das Umweltverhalten, insbesondere des späteren Erwachsenen,

kann folglich nicht klar beziffert werden und ist vom konkreten Bildungsweg

der Individuen abhängig (Lehrpersonen, Schulumfeld usw.). In der Übersichtsarbeit

von Rickinson werden zwei Forscher mit folgenden Worten

zitiert: „it is the beliefs and practices of environmentally motivated teachers

which are the most significant elements [in school] in prompting young people

to undertake environmental action“ (Rickinson, S. 55).

Zu der oben erwähnten Vermutung passt allerdings, dass bei Schülerinnen

und Schüler aus Schulen mit einem höheren Durchschnitt im Umweltwissen

ein erhöhtes Ausmass an Umweltverhalten festgestellt wird (Kuhlemeier et

46 Die Primarschule wird beinahe nie erwähnt, auf schulische Einflüsse wird ab der Sekundarstufe

referenziert.

47 Was oft auch mit methodischen Schwierigkeiten und Stichprobencharakteristiken zu tun

hat.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 34

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

al., 1999). Der höhere Durchschnitt induziert, dass in diesen Schulen vermehrt

Umweltunterricht umgesetzt wird. Die wahrscheinliche Ursache dafür

ist, dass die Schule Lehrpersonen beschäftigt, welche bereit sind, Umweltbildung

im Unterricht umzusetzen. Andere Autoren finden ähnliche Evidenz.

In den Vereinigten Staaten wurden vier als besonders „umweltaffin“ bekannte

Schulen untersucht (Higgs & McMillan, 2006). Die Autoren erforschten die

Ursachen für diesen Ruf. Als besonders wirksam wurde die Modellfunktion

der gesamten Schule eingestuft. Verschiedene Modellfunktionen der Schule

werden identifiziert. Darunter die Vorbildfunktion der Lehrpersonen und der

Schulangestellten (individuelle Rollenmodelle), der Infrastruktur (zum Beispiel

das Ausmass, in welchem in grüne Gebäudetechniken investiert wird),

der Schulführung (umweltfreundliche Schulpolitik) und der Schulkultur (ist

der Umweltschutz ein Thema im Alltag?). Die vier Modellrollen einer Schule

sollten möglichst konsistent aufeinander abgestimmt sein, um eine optimale

Wirkung auf das Umweltverhalten der Schülerinnen und Schüler zu erzielen.

Die Annahme, dass die grossen Anstrengungen der Schulen das Umweltverhalten

der Schüler beeinflussen, wurde allerdings nicht empirisch überprüft.

Konkretere Ergebnisse sind in jüngerer Zeit über den Einfluss der Familie

auf das Umweltverhalten verfügbar. Eine Arbeitsgruppe aus Dänemark beschäftigt

sich direkt mit der Frage des Einflusses der Eltern auf das Umweltverhalten

der Kinder und Jugendlichen (Grønhøj & Thøgersen, 2009, 2012).

Wenig Forschung wurde bisher zu diesem Thema betrieben. Einige Literatur

existiert zwar zum Einfluss der Eltern auf das pro-soziale Verhalten ihrer

Kinder, aber wenige Studien haben den Schwerpunkt auf die Werthaltungen

und Verhaltensweisen im Bereich Umwelt gelegt. Der „intergenerationale

Einfluss“ gewinnt dadurch an Bedeutung, da sich die Evidenz häuft, dass

Kinder und Jugendliche günstigere Umwelteinstellungen besitzen als ältere

Personen, allerdings zurückhaltender im Umwelthandeln selbst sind (Diamantopoulos

et al., 2003). Ob diese Diskrepanz alleine durch die geringeren

Handlungsressourcen von Kindern und Jugendlichen erklärt werden kann,

ist Gegenstand der laufenden Debatte.

Befragt werden in den Untersuchungen Jugendliche im Alter von 16 bis 18

Jahren und ihre Eltern (meist ein Elternteil) zu ihren Umwelt-Werthaltungen,

ihren Einstellungen gegenüber Umwelthandlungen und ihrem Umweltverhalten.

Untersucht wurden Stromsparen, Recycling und ökologisches Konsumverhalten.

Handlungen also, welche sowohl von den Erwachsenen wie auch

von den Jugendlichen problemlos ausgeführt werden können. Zwei mögliche

Moderationsgrössen wurden getestet: der Erziehungsstil und die „Nähe“ der

Eltern zu ihren Kindern. Die Nähe wurde operationalisiert als Altersdifferenz

zwischen den Eltern und den Jugendlichen48, der Erziehungsstil im Ausmass

der Autonomieförderung durch die Eltern49. Unterschieden werden zudem

die deskriptiven und präskriptiven Normen einer Familie (was gewohnheitsmässig

getan wird vs. was gebilligt und nicht gebilligt wird).

48 Der Hintergrund ist die Annahme, dass bei einer kleineren Differenz die empfundene Ähnlichkeit

zu den Eltern steigt und somit die Verhaltensweisen eher nachgeahmt werden.

49 Dieser Erziehungsstil fördert das pro-soziale Verhalten in anderen Erziehungsbereichen.

Pro-Soziales Verhalten sollte „freiwillig“ und aufgrund einer eigenen Entscheidung erfolgen.

Ansonsten kann gegen die Familiennormen Reaktanz entstehen, der Einfluss der Eltern

nimmt ab.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 35

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Auch die reziproke Einflussmöglichkeit, von den Kindern auf die Eltern, wird

diskutiert. Die Effekte in dieser Richtung sind allerdings schwach, die Autoren

schliessen „However, so fare the evidence for reverse and reciprocal

environmental socialization is quite weak and recent studies suggest, that in

this domain, the direction of IG [intergenerational] influence primarily runs

from parents to their children” (Grønhøj & Thøgersen 2012, S. 294, Klammer

eingefügt).

Der Einfluss der Eltern auf ihre Kinder ist stark. Gar der beste Prädiktor für

das Umweltverhalten der Jugendlichen ist das wahrgenommene Umweltverhalten

der Eltern. Der Elterneinfluss auf das Umwelthandeln ist gar stärker

als die eigene Einstellung zur Handlung (zweitstärkster Prädiktor). „Wahrgenommen“

deshalb, weil nicht das tatsächliche Umweltverhalten der Eltern,

sondern das den Eltern (durch die Jugendlichen) zugeschriebene Umweltverhalten

relevant ist50. Die Stärke des intergenerationalen Einflusses wird

hauptsächlich durch die deskriptiven, weniger durch die präskriptiven Familiennormen

bestimmt. Dieser Befund wird dadurch unterstrichen, dass der IG

Einfluss beim Stromsparen am geringsten ist. Dies ist der Bereich, in welchem

das Elternverhalten für die Jugendlichen am wenigsten sichtbar ist.

Keinen Einfluss auf das Umweltverhalten der Jugendlichen hatten der Erziehungsstil

und die Altersdifferenz.

Die Autoren ziehen zwei Schlüsse aus ihren Ergebnissen:

1.) Die Einstellung zu umweltfreundlichen Verhaltensweisen sollte im Schulunterricht

verstärkt gefördert werden, da diese das Umweltverhalten steigern

(zweitstärkster Prädiktor, siehe auch Kapitel 6.3)

2.) „Über die Eltern an die Jugendlichen gelangen“. Das heisst, den Eltern

soll ihre zentrale Rolle in der Vermittlung eines nachhaltigen Umweltverhaltens

klar gemacht werden. Insbesondere sollen eigene Anstrengungen im

Umweltschutz für die Kinder sichtbar gemacht werden.

7 Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Wir kommen zu folgenden Schlussfolgerungen:

1. In einem gemeinsamen Workshop konnten am 6. September 2011 wichtige

Fragestellungen im Zusammenhang mit handlungsorientierter Umweltbildung

strukturiert und formuliert werden. Dabei wurde bewusst die

Sicht aus der Praxis gewählt.

2. Das im vorliegenden Bericht dargestellte so genannte Integrierte Handlungsmodell

zeigt einen Weg auf, wie mit Umweltbildungsaktivitäten effizient

die Kluft zwischen Wissen und Handeln verkleinert werden kann.

3. Zu vier ausgewählten Themenbereichen wurde das aktuell verfügbare

Wissen aus der Literatur aufgearbeitet und dargestellt. Daraus wurden

praktische Handlungsempfehlungen für die Bildungsaktivitäten des WWF

50 Die Jugendlichen überschätzen den Zusammenhang der Umwelteinstellung und des Umweltverhaltens

der Eltern (dem Zusammenhang der präskriptiven und deskriptiven Normen).

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 36

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

abgeleitet und in übersichtlichen Tabellen prägnant dargestellt (siehe

Anhang).

Für das weitere Vorgehen ergeben sich aus unserer Sicht die folgenden

Empfehlungen:

1. Alle, die Umweltbildungsmassnahmen planen, sollen sich mit dem Integrierten

Handlungsmodell auseinander setzen und die dabei individuell

gewonnenen Erkenntnisse in ihren Aktivitäten berücksichtigen.

2. Bei der Planung und Durchführung von Umweltbildungsaktivitäten sollen

die im Anhang sich befindenden Handlungsempfehlungen, unter Berücksichtigung

der jeweiligen Situation, im Sinne einer Checkliste verwendet

werden.

3. Besonderes Augenmerk sollte auf die Reflexion über die Anwendbarkeit

des Integrierten Handlungsmodelles gelegt werden. Dabei können sich

durchaus nützliche Weiterentwicklungen ergeben.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 37

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Chur, den 1. März 2012

Pädagogische Hochschule Graubünden

Sachbearbeiter:

Andreas Imhof

Dr. sc. nat. ETH Felix Keller

(Projektleiter)

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 38

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

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Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

9 Anhang

9.1 Checkliste Handlungsempfehlungen gemäss integriertem Handlungsmodell

Gemäss dem integrierten Handlungsmodell sollte bei der Planung von Umweltbildungsmassnahmen stets beachtet werden, dass Elemente

der Motivationsphase, der Handlungsauswahlphase sowie der Volitionsphase (Handlungsausführung) vorkommen. Innerhalb der

verschiedenen Phasen gilt es, wenn möglich durch kompensatorische Massnahmen oder Wissensvermittlung individuelle Handlungshindernisse

zu beseitigen.

Einflussgrösse Handlungsempfehlung Weiterführende Literatur

Motivationsphase

Bedrohungswahrnehmung • Nur was das Herz liebt wird auch als schützenswert empfunden. Die Motivation

sollte zum Beispiel an ein geliebtes Tier oder an einen positiv

bewerteten Gegenstand gebunden werden, welche/r das Kind als schützenswert

empfindet. Je grösser der Bezug dazu ist, desto grösser ist die

Wahrscheinlichkeit der Ausbildung eines Motivs.

• Wissen bestehend aus Informationen zu Ursachen, Betroffenen, Schadenspotenzial

bzw. -wahrscheinlichkeit und über den Zeithorizont sollten

vermittelt werden.

• Bedrohungswissen und Bewältigungswissen sollten stets miteinander

und aufeinander abgestimmt dargestellt werden.

• Weniger ist mehr: Nur so viel Information wie nötig.

• Rost, J., Gresele, C., & Martens,

T. (2001). Handeln für die Umwelt.

Anwendung einer Theorie.

Münster: Waxmann.

Verantwortungs- Zuschreibung

• Die eigene Position des Kindes im betroffenen System soll aufgezeigt

werden. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit der Verantwortungsübernahme

zu. Dabei sollte nicht "moralisiert" werden.

• Kompetenzorientierung in der

Umweltbildung:

http://www.umweltbildung.ch

Soziale Bedürfnisse • Die sozialen Bedürfnisse der Zielgruppen (nicht des Vermittlers!) müs- • Soziales Marketing:

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 43

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

sen genau bekannt sein. Sind diese Bedürfnisse bekannt, kann durch

deren Befriedigung die Motivation für Umwelthandeln entscheidend gestärkt

werden.

• Der Mensch sucht sehr oft nach sozialer Anerkennung. Die soziale Motivierung

kann wirkungsvoller sein, als diejenige über die Vermittlung von

Bedrohungswissen. Soziale Techniken wie z.B. Teambildung oder soziales

Marketing sollten in der Motivationsphase so oft wie möglich mit berücksichtigt

werden.

Geller, E. S. (1989). Applied Behavior

Analysis and Social Marketing:

An Integration for Environmental

Preservation. Journal

of Social Issues, 45(1), 17-36.

• Bsp. Partizipatives Marketing:

http://www.nordlicht.uni-kiel.de/

Intentionsphase (Handlungsauswahlphase)

Handlungs-

Ergebniserwartung

• Es soll aufgezeigt werden, welche Umwelthandlungen zum gewünschten

Ergebnis führen und allenfalls auch wie (vermutlich eher bei älteren Kindern).

• Den Kindern unbekannte Umwelthandlungen müssen vorgestellt werden.

• Ramsey, J. M. (1993). The Effects

of issue Investigation and Action

Training on Eighth-Grade Students'

Environmental Behavior.

The Journal of Environmental Education,

24(3), 31-36.

Kompetenzerwartung • Handlungserfahrungen sollen gefördert werden, denn sie stärken die

Kompetenzerwartung (ich kann das…).

• Informationen zur Umsetzung einer als schwierig eingestuften Handlung

helfen den Kindern, diese Handlung als realisierbar einzuschätzen (das

ist ja gar nicht so schwierig…).

• Leichter durchführbare Handlungen sollten als erstes empfohlen werden.

Instrumentalitätserwartung • Nur wer an die Wirksamkeit seines Instrumentes glaubt beginnt auch zu

handeln. Deshalb soll durch das Aufzeigen von zielführenden Wirkungen

der geplanten Handlungen die Instrumentalitätserwartung gefördert werden.

Volitionsphase (Handlungsausführung)

Sozialer Kontext • Einsatz von Beeinflussungsstrategien (zielgruppenspezifische Mischung

wichtig):

- Feedback (Beachtung, Würdigung, Rückmeldungen)

• Kapitel 6 aus: Homburg, A., &

Matthies, E. (1998). Umweltpsychologie.

Weinheim und MünLiteraturübersicht

mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 44

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

- Zielvorgabe

- Commitment

- Belohnung

chen: Juventa.

• Allgemeine Literatur Beeinflussungsstrategien:

Persuasion: Gass, R.H., & Seiter,

J.S. (2007). Social Influence and

Compliance Gaining (3rd Edition).

Allyn & Bacon.

• Global Action Plan (2008). Eco-

Teams Evaluation Report. Global

Action Plan, June 2008.

Ressourcen • Ohne Ressourcen kommt es zu keiner Handlung. Dazu müssen zusammen

mit den Kindern:

1. Ihre Handlungsbarrieren identifiziert werden

2. Nach Möglichkeiten gesucht werden, wie die identifizierten Handlungsbarrieren

abgebaut werden können

3. Die Handlung solange trainiert werden, bis sie automatisiert erfolgt

(schaffen von Trainingsmöglichkeiten).

Selbstkontrolltechniken • Selbstkontrolltechniken haben im Hinblick auf das Umwelthandeln eine

zentrale Bedeutung, da diese in besonderer Weise dazu beitragen, eine

Handlungsabsicht aufrechtzuerhalten und zu verstärken. Sie sollten daher

angeregt und gefördert werden.

Beispiele dazu sind:

- Erinnern an die Handlungsabsicht (wie zum Beispiel der „Einkaufszettel“)

- Rückmeldungen (insbesondere bei Kindern wichtig)

- Antizipation von positiven Handlungskonsequenzen

Information • Die Kinder müssen konkret Wissen, wie, wo und wann sie in ihrem eigenen

Alltag handeln können. Sie sollten deshalb ermutigt werden, detaillierte

Handlungspläne zu entwickeln und mit den dazu nötigen Informationen

versorgt werden.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 45

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

• Umsetzungswissen und Handlungswissen sollten sich bei der Vermittlung

auf dieselbe Umweltschutzhandlung beziehen.

9.2 Checkliste Weitere Handlungsempfehlungen ausserhalb dem integriertem Handlungsmodell

Einflussgrösse Handlungsempfehlung Weiterführende Literatur

Allgemeines

Beteiligung • Die Kinder sollen so oft wie möglich aktiv einbezogen werden. Phasen mit

passiver Beteiligung der Kinder möglichst vermeiden.

• Metastudien:

• Rickinson, M. (2001). Learners

and Learning in Environmental

Education: a critical review of the

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• Zelezny, L. C. (1999). Educational

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Alter • Möglichst junge Kinder mit einbeziehen.

Vorbildfunktion • Kinder suchen immer nach Vorbilder. Sie ahmen dessen Verhalten nach.

Mitarbeiter müssen sich deshalb unbedingt vorbildlich verhalten und ihr

Verhalten für die Kinder transparent machen. Dies gilt auch für Eltern,

welche wenn immer möglich in die Bildungsaktivitäten mit einbezogen

werden sollten.

• Grønhøj, A., & Thøgersen, J.

(2012). Action speaks louder than

words: The effect of personal attitudes

and family norms on adolescents'

pro-environmental behavior.

Journal of Economic Psychology,

33(1), 292-302.

Dauer • Mehrtägige Programme sind kürzeren Programmen vorzuziehen.

• Regelmässige Aktivitäten sind in sich geschlossenen Aktivitäten vorzuziehen.

Literaturübersicht mit Handlungsempfehlungen für das Design von Umweltausbildungen S. 46

Literaturrecherche und Handlungsempfehlungen zur Umweltbildung

von Andreas Imhof, Felix Keller und Christina Colberg

Vor-und Nachbereitung • Kinder sollten zur Vor- und Nachbereitung der Programme animiert werden.

Naturkontakt • Naturkontakte fördern wahrscheinlich vor allem das langfristige Umweltverhalten,

dafür sehr nachhaltig.

• Rickinson, M., Dillon, J., Teamey,

K., Morris, M., Choi, M. Y., Sanders,

D., & Benefield, P. (2004). A

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Learning. Shropshire: Field Studies

Council.

Schulzimmeraktivitäten • Handlungstrainings sollten eher im Schulzimmer durchgeführt werden.

Informationsvermittlung • Die Informationen sollten zielgruppenspezifisch nach Motivationstypen

und/oder Handelsbarrieren ausgerichtet vermittelt werden.

• Umsetzungsbeispiel eines Tailored

Information Systems:

Martens, T., Erdwien, B., &

Ramm, K. (2008). Risikoverarbeitung

und Risikoverhalten am Beispiel

extremer Hochwasserereignisse.

Universität Bremen,

Schlussbericht für das Bundesministerium

für Bildung und Forschung,

Förderkennzeichen:

0330693C.

Ggf. relativierte Schutzbilanz je Medium?

http://energiewende.baden-wuerttemberg.de/de/e-und-das-land/landesregierung/klimaschutzgesetz/ - Klimaschutzgesetz! Als Werbeplakat für den Umweltschutz etwa auch eine Rauchschwalbe mit Atemmaske?Ggf. auch Nachhaltigkeitskontrollen
http://www.eea.europa.eu/de

www.wwf.de/earth-hour-2014

Als eine Empfehlung einer Co2-Ersparnis:
Nutzung z. B. folgenden Links: 
https://www.ecosia.org/?addon=chrome&ref=icon-search

Meldungen zu Umweltthemen(z. B.):
http://www.schattenblick.de/infopool/infopool.html